UKJazznews Musiktipp: Joanne Brackeen – Pink Elephant Magic / Arkadia Records
Von Liam Noble. Joanne Brackeen war schon immer eine herrlich ungehemmte Pianistin und geistreiche Komponistin, und „Pink Elephant Magic“, der erste Titel des gleichnamigen Albums, drängt sich wie einer von Kramers vielen Einbrüchen in Jerry Seinfelds Wohnung direkt durch die Tür.
Der Klang ist trocken und druckvoll, das Spiel verspielt, wild und fröhlich. Chris Potter am Sopran und Nicholas Payton an der Trompete spielen beide Soli, über die man kaum schreiben kann – sie strahlen einfach nur gefühlvolle Energie und raffinierte Kunstfertigkeit aus. Brackeen, deren Präsenz selbst hinter den Soli dieser Musiker stets spürbar ist, hat einen knackigen Anschlag, der mühelos von Jazz-Linien zu afrokubanischen Texturen und darüber hinaus zu Cecil-Taylor-artigen Clustern wechselt. Es ist jedoch schade, diese Einflüsse einzeln aufzuzählen, da sie mit einer so ungekünstelten Meisterschaft miteinander verwoben sind, tief verwurzelt in der Erfahrung aus der Arbeit mit den Bands von Stan Getz, Joe Henderson, Art Blakey und anderen. Es ist einfach sie.
Das ist Musik, die für mich aus vielfältiger und reichhaltiger Arbeit entstanden zu sein scheint; sie strahlt eine fast schon unbeschwerte Atmosphäre aus. Ein neuer Tag, ein neuer Dollar. Und tatsächlich war es damals so … die Szene sah damals ganz anders aus und bot sowohl Begleitmusikern als auch Bandleadern eine feste Anstellung. Und doch ist „Pink Elephant Magic“ genauso tiefgründig und lohnenswert wie die neuesten bahnbrechenden Neuerfindungen von heute. Es macht Spaß zu hören, wie Brackeens überschwängliches Klavierspiel und ihre verspielten Kompositionen ihre Bandkollegen anspornen, aber hinter der Party verbirgt sich ernsthafte, rigorose Arbeit. Ich lache halb und habe halb Angst, und genau so fühlt es sich manchmal an, wenn man diese Art von Musik hört. © Alle Texte: Liam Noble
© UKJazznews, 4.4.2026