Ultraschall Berlin 2023 – Festival für neue Musik. Konzert vom 19.1.2023
Mit Werken von Malin Bång, Anna Korsun, Sergej Newski, Oxana Omelchuk, Kristine Tjøgersen. Es spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Susanne Blumenthal.
Das Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin bei Ultraschall Berlin setzt ein klares Signal. „Patriotismus und Regierung” heißt ein polemischer Text von Lew Tolstoi aus dem Jahr 1900. In ihm wandte sich der Dichter gegen alle Arten von Nationalismus, deren zwangsläufige Folge der Krieg sei, und stellte ihm Utopien von Gleichberechtigung und ökologischem Ausgleich entgegen.
Sergej Newski, der den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine früh und unmissverständlich verurteilt hat, konfrontiert Tolstois Text mit einem fragilen, polyphonen Orchestersatz. Die ukrainische Komponistin Anna Korsun sagt, ihr Werk lade ein „zu einer Klangreise durch imaginäre Räume”. Geprägt durch Konzentration und Ruhe, bricht in diese Räume immer wieder die Realität ein. Als Pendant wirken dazu die „Harmoniemusiken” der belarussischen Komponistin Oxana Omelchuk: Als „Versuch einer Musik, die im Niemandsland angesiedelt ist”, beschreibt Omelchuk ihre „Bearbeitungen imaginärer Stücke”, denen sie „idimoatische Zeichen, Figuren, Klischees” abgewinnt.
Den Rahmen für diese drei Werke bilden zwei Klangwanderungen. Malin Bång spürt in ihrer Heimatstadt Göteborg dem urbanen Moment nach und entwickelt musikalisch dessen „inszenierte Version”. Die norwegische Komponistin Kristine Tjøgersen nimmt das Publikum mit in den Wald, mit Geräuschen von Eichhörnchen, Eulen und Elstern. Eine Idylle?
Malin Bång
„avgår, pågår“ für Orchester (2014)
Anna Korsun
„In einem anderen Raum“ für Orchester mit Smartphones (2016)
Sergej Newski
„Stufen der Ideen“ für Sprecher und zwanzig Solostreicher (2021/2023)
auf einen Text von Lew Tolstoi
Oxana Omelchuk
„Harmoniemusiken“ für Orchester (2019)
Kristine Tjøgersen
„Between Trees“ für Orchester (2021)
Jakob Diehl, Sprecher
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Susanne Blumenthal
© Deutschlandfunk Kultur, Konzert, 19.1.2023