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„Unheilvolle Kontinuitäten“ Die Lange Nacht über deutschen Kolonialismus

Prügel mit dem Tauende oder doch mit der Nilpferdpeitsche? Die Frage, wie die zwangsverpflichteten schwarzen Arbeiter in den deutschen Kolonien „zur Arbeit erzogen” und damit „zivilisiert” werden sollen, diskutierten Politiker und Mediziner vor etwas mehr als 100 Jahren in aller Öffentlichkeit. Von Rolf Cantzen.

Die Kolonien versprachen Rohstoffe, Absatzmärkte und Siedlungsraum für deutsche Auswanderer. So wurden Teile Afrikas und der Südsee annektiert. Die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Ordnungen, die nicht bereits durch den transatlantischen Sklavenhandel unterminiert waren, wurden vollends zerstört. Bereits vor der militärischen staatlichen Absicherung waren die Kolonisatoren von der Gewissheit ihrer kulturellen Überlegenheit durchdrungen – und ohne Skrupel. So sicherte sich der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg im heutigen Ghana eine Festung zur Absicherung des Sklavenhandels. Die kolonisierte Bevölkerung leistete Widerstand – gewaltlos mit Arbeitsverweigerungen, mit Flucht, mit Resolutionen an den Reichstag, auf juristischen Wegen, dann aber auch durch Kriege, die mit Hunderttausenden von Toten und – im heutigen Namibia und damaligen „Deutsch-Südwest” – mit dem ersten Genozid des 20. Jahrhunderts endeten. In Deutschland gibt es heute zahlreiche Initiativen schwarzer Menschenrechtsaktivisten, die an die jahrhundertelange Präsenz von People of Color in Deutschland erinnern und so zu einer angemessenen Erinnerungskultur beitragen wollen.



Unheilvolle Kontinuitäten
Die Lange Nacht über deutschen Kolonialismus
Von Rolf Cantzen
Regie: Rita Höhne (Wdh. v. 18.02.2017)

© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 20.1.2024

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