Musiktipps

VAN Magazin: »Wenn man sagt: ›Das drückt jetzt Zorn aus‹, kommt man nicht weiter, man verkürzt die Sache nur.«

Enno Poppe über seine Suche nach den Elementarteilchen der Musik, Optimismus statt Dagegen-Sein und falsche Töne. Von Stefan Siegert.

Auf dem Zoom-Monitor wirkt er anders als auf den Fotos. Aber auch die Fotos, nicht nur wegen seiner etwas ausgefallenen Frisur, geben ein immer wieder verschiedenes Bild von Enno Poppe. Er geht mit dem Gesicht nah an das Kameraauge heran. Es wirkt knochiger und schwerer als erwartet, wie jemand, den man für jünger gehalten hat, der aber zugleich überhaupt nicht alt aussieht. Die Stimme kann die kompliziertesten Dinge sagen, sie behält den lockeren Ton, das unangestrengte Parlando eines wie Unbeteiligten. Enno Poppe ist ein Phänomen. Und ein phänomenaler Musiker.


 VAN: Treiben Sie eigentlich Sport?

Enno Poppe: Nö, ich bin eigentlich nicht sehr sportlich. Ich spiele jeden Tag Klavier, das ist es dann auch schon. Im Übrigen: Dirigieren ist eigentlich auch sportlich. Wenn ich viel dirigiere, habe ich überhaupt keine Rückenprobleme. Man kann beim Dirigieren mit dem Oberkörper unheimlich gesunde Bewegungen machen, Dirigieren ist echt gut für die Gesundheit.

https://youtu.be/mq24GM7ppqQ

Ihr Vater war Musik- und Mathematiklehrer, das heißt, Sie haben früh angefangen mit der Musik?

Ich komme aus einem musikalischen Elternhaus. Ich habe früh mit dem Klavier angefangen, sehr früh auch mit Komponieren, da war ich ungefähr zehn. Aber nicht auf elterlichen Druck hin. Das Elternhaus war einfach voller Musik, es gab Partituren und Schallplatten. Dass sie mich ins Konzert mitgenommen haben, war für mich das Normalste von der Welt.

Und sonst war bis zehn alles wie bei anderen Kindern?

Absolut.

Ein Wunderkind waren sie nicht?

Würde ich nicht sagen. Ich habe einfach meins gemacht, so für mich. Zum Wunderkind gehört immer eine Vermarktungsstrategie. Ein Wunderkind ist ja eigentlich immer erst eines, wenn es sichtbar wird, wenn also der Kulturbetrieb es zum Wunderkind macht, das war bei mir nicht der Fall.



© Van Magazin, 8.9.2021

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