Musiktipps

VAN: „Wie ein Gummistiefel im Gesicht“ Ein Stimmungsbild der Klassikbranche

Die Kulturszene war gerade dabei, sich langsam vom ersten Shutdown zu erholen, dann schlug der zweite zu. Wie geht es ihr jetzt? VAN hat 18 Akteur:innen des Klassikbetriebs nach aktueller Stimmung, Selbstverständnis und Zukunftsvisionen gefragt.


Okka von der Damerau, Mezzosopranistin

WIE HAT SICH IN DEN LETZTEN MONATEN IHR BILD VOM EIGENEN TUN VERÄNDERT?

Interessanterweise fehlt mir nicht so sehr das Singen an sich, sondern das Füllen der Opernräume mit meiner Stimme. Die Säle fehlen mir, das war mir vorher nicht so klar. Und die Atmosphäre, wenn man während der laufenden Vorstellung mit dem Publikum im Austausch ist, diese ungeheure Energie. Aufnahmen von Wagner kann ich im Moment ganz schlecht hören. Da muss ich immer weinen, weil ich seine Musik so vermisse.

WAS HAT IHNEN DABEI GEHOLFEN, SICH SELBST ZU STABILISIEREN?

Struktur im Tagesablauf, Intervallfasten, Rausgehen ins Grüne, sehr viele Sozialkontakte über Telefon oder Mails. Nichts Besonderes.

WIE BLICKEN SIE IN DIE ZUKUNFT ANGESICHTS DER ZWEITEN PANDEMIE-WELLE UND NEUER EINSCHRÄNKUNGEN?

Ich habe das große Glück, gerade mit Christof Loy in Madrid an meinem Jezibaba-Debut zu arbeiten, weil hier noch gespielt wird. Vorher war ich in Barcelona für zwei sehr schöne konzertante Trovatore. So hatte ich seit Ende September Erlebnisse, von denen ich wieder einige Zeit zehren kann. Aber ich fühle mich angesichts der Zukunft auch wie in einem langen Tunnel. Die krassen Einschränkungen, die man im Kultursektor so ja überhaupt nicht verstehen kann, erzeugen ein Gefühl von Ausgeliefertsein, das ich sehr schwer aushalten kann – bei allem Wunsch nach Sicherheit und Rücksichtnahme. Dass ein Großteil unserer Gesellschaft keine Verbindung mehr zu unserer Kultur hat, macht mir allerdings schon länger Sorgen, denn das gehört für mich zur vernünftigen Menschwerdung dazu.

WELCHES OBJEKT WERDEN SIE IN DER RÜCKSCHAU MIT DIESER CORONA-ZEIT ASSOZIIEREN?

Meinen Römertopf. Auch ich habe angefangen, Brot selber zu backen! Und meinen Balkon. Und unsere Waschmaschine, als meditatives Element.

© VAN, 4.11.2020

BOGLÁRKA PECZE, KLARINETTISTIN DES TRIO CATCH

BETTINA SCHIMMER, GRÜNDERIN UND INHABERIN VON SCHIMMER PR

BERNHARD GLOCKSIN, KÜNSTLERISCHER LEITER DER NEUKÖLLNER OPER

CHRISTIAN GERHAHER, BARITON

ILONA SCHMIEL, INTENDANTIN TONHALLE ZÜRICH

ALEXANDER HOLLENSTEINER, GESCHÄFTSFÜHRER KAMMERAKADEMIE POTSDAM

SERGEJ NEWSKI, KOMPONIST

ARNOLD SIMMENAUER, GESCHÄFTSFÜHRER DER KÜNSTLERAGENTUR IMPRESARIAT SIMMENAUER

ANTJE WEITHAAS, GEIGERIN

HANS-GEORG KAISER, INTENDANT FREIBURGER BAROCKORCHESTER

KARSTEN WITT, GRÜNDER UND GESCHÄFTSFÜHRER DER KARSTEN WITT MUSIK MANAGEMENT GMBH

KONSTANTIN HEIDRICH, CELLIST DES FAURÉ QUARTETT

REINHARD GOEBEL, DIRIGENT

JUDITHA HAEBERLIN, GEIGERIN DES ENSEMBLE RESONANZ

FRANZISKA KRONFOTH, REGISSEURIN UND GRÜNDERIN VON HAUEN & STECHEN

ANDREAS STAIER, CEMBALIST UND PIANIST

ANNA LUCIA RICHTER, (MEZZO-)SOPRANISTIN

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