„Verlegenheit ist Energie“ Der dänische Komponist Niels Rønsholdt
Von Leonie Reineke. Die Musik des Dänen Niels Rønsholdt irritiert. Aber nicht, weil sie sperrig, komplex oder in verstiegenen Hyperintellekt gefasst wäre. Im Gegenteil: Seine Stücke sprengen den Rahmen durch Rührung, Berührung oder Mitmach-Aktionen des Publikums.
„Das Phänomen des peinlichen Berührtseins finde ich faszinierend“ – sagt der 1978 geborene Komponist – „denn es steckt eine Fragilität darin, etwas Zartes, Menschliches.“ Genau diese Energie evoziert Niels Rønsholdt bei den Hörern, wenn etwa eines seiner Mitmach-Stücke aufgeführt wird. Zuschauer werden dabei zu Performern, Performer werden zu unmittelbaren Dialogpartnern des Publikums. Das Klangspektrum solcher Aktionen reicht von Reminiszenzen an historische musikalische Formen bis hin zu prismenhaft gebrochenen Abbildern von Mainstream-Genres wie Chanson oder Country. Auch wenn all seine Stücke dieselbe Handschrift tragen – Rønsholdt arbeitet bei jedem neuen Projekt mit anderen handwerklich-kompositorischen Methoden.
© Deutschlandfunk, Atelier neue Musik, 9.12.2023