! Vom Zustand der Pop-Kritik oder Musik schreibt keine Zahlen !
Von Julian Weber (TAZ). Musikkritik ist nicht tot, selbst wenn sie nach einem Shitstorm komisch riecht. Warum der Diskurs über Pop wichtig ist, wo er lebt und wo nicht.
Alles beginnt mit einem Verriss. Er geht mit Skillshot von null auf hundert: „Nina Chuba ist eine sehr sympathische Person, und ihr neues Album ist grässlich“, schickte die Autorin Juliane Liebert der furiosen Rezension des Albums „Ich lieb mich, ich lieb mich nicht“ voraus; ihre in der Zeit erschienene Kritik verharrt gar nicht ehrfürchtig vor dem musikalischen Material und bleibt zugleich respektvoll der Künstlerin gegenüber.
Über die jeder Ambivalenz zugrundeliegende Gratwanderung hatte der französische Philosoph Vladimir Jankélévitch einst apostrophiert, dass zur Bitterkeit „süßer Nachgeschmack“ gehört. Liebert reagierte angemessen wütend auf das austauschbar Herzlose von Chubas Schlagerrap und Charli xcx’ Epigoninnentum und blieb dennoch charmant, wenn sie schreibt, dass sie gleich „den Supermarkt niederbrennen möchte, in dem man den ganzen Mist zwangshören muss“.
© TAZ, Kultur, Musik, 13.3.2026