Widerständige Punk-Frauen in der DDR „Nur wer sich bewegt, hört seine Ketten rasseln“
Von Ulrich Gutmair (TAZ). Die Organe der DDR ahnten, dass Punk ihnen gefährlich werden konnte. Sie antworteten mit Terror. Jetzt erzählen Punk-Frauen ihre Geschichten.
Keine sollte sich für das Unrecht schämen müssen, das ihr angetan wurde. Schämen müssten sich diejenigen, die sich als Stasi-Offiziere und Parteikader, als Wächterinnen in Knästen, als Erzieher in Jugendwerkhöfen, als Lehrer, Richter und Volkspolizisten oder als Pflegerinnen und Ärzte an Verbrechen gegenüber Frauen schuldig gemacht haben, die nichts getan hatten, außer selbstbestimmt leben zu wollen.
Gesellschaften neigen dazu, den Opfern ihrer Gewalt die Schuld zuzuschieben, weil deren Leid sie an ihr opportunistisches Wegsehen und Mitmachen erinnert. Die einst Terrorisierten sollen still leiden, keine Unruhe stiften und den Gang der Dinge nicht stören. Stattdessen wird heute mit Ostalgie Geld verdient, werden mit DDR-Verkitschung in der Politik Stimmen gesammelt.
© TAZ, Kultur, Buch, 10.2.2026