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Wien Modern 2019: „Das Klavier 21 Mal neu betrachtet“ Mathilde Hoursiangous Projekt „Saiten-Tasten“ mit zahlreichen Uraufführungen.

Die Pianistin Mathilde Hoursiangou hat 21 Komponistinnen und Komponisten aus elf verschiedenen Ländern eingeladen, neue Stücke zu schreiben, in denen sowohl Tasten gedrückt, als auch Klänge auf unterschiedliche Art und Weise im Innenraum des Flügels erzeugt werden.

Mit Marie-Therese Rudolph

Diese Miniaturen, sechs stammen von Komponistinnen, bringt die französische Pianistin, die seit Beginn der 1990er Jahre in Wien lebt und an der hiesigen Universität für Musikik und darstellende Kunst unterrichtet, mit den zwei jungen Kolleginnen Sylvia Kimiko Krutz und Eriko Muramoto sowie dem einem Kollegen Luca Lavuri zwei-, vier- und sechshändig zur Uraufführung.

Hoursiangou beauftragte in einem ersten Schritt jene, die sie im Lauf der Jahrzehnte begleitet haben, deren Musik sie berührt wie etwa Michael Jarrell, Beat Furrer oder Gérard Pesson. Aus Anlass des 90. Geburtstages von George Crumb werden die neuen Werke durch zwei Sätze aus dessen „Celestial Mechanics“ ergänzt, das genau vor 40 Jahren uraufgeführt wurde.

Die Themen der Auftragsstücke sind breit gestreut, Misato Mochizuki etwa orientiert sich an Ninja-Videospielen und deren Levelabfolgen, die zwei Pianistinnen als skurrile Verfolgungsjagd einer Geheimagentin umsetzen. Joana Woznys Komposition beschreibt Hoursiangou als extrem differenziert, ja mit einem sportlichen Ansatz würden verschiedenste Klänge erzeugt. Mit Katharina Klement und Elisabeth Harnik sind zwei Komponistinnen eingeladen, deren Ansatz Hoursiangou besonders interessiert, da sie selbst auch praktizierende experimentelle Pianistinnen sind.

Elisabeth Harnik bezieht sich mit dem Titel ihres Werkes „of all stars the most beautiful“ auf eine Textzeile Sapphos. Hoursiangou beschreibt es als „wunderschön – kleine Fragmente, die nach Belieben kombiniert werden können“. Mit der Bezugnahme auf die antike Lyrikerin verweist Harnik indirekt auf das Fehlen von weiblichen Role Models im Kanon der Musikgeschichte und stellt ihr Stück unter ein Zitat von Laurie Anderson über Unberührbarkeit der Sterne als Sehnsuchtsobjekte. „Saiten-Tasten“ ist als work in progress konzipiert, den Uraufführungen wird eine Edition der Kompositionen mit spieltechnischen Ausführungen folgen, um jungen Musikschaffenden die Scheu vor experimentellen Zugängen zu nehmen und die Lücke in der Ausbildung zu schließen.

© Ö1, Zeit-Ton, 9.12.2019

Playlist:

Komponist/Komponistin: Alexander Stankovski
Titel: Mélodie à deux für Klavier vierhändig (2018, UA)
I: Kimiko Krutz (Klavier)
I: Eriko Muramoto (Klavier)
Länge: 04:54 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Marco Momi
Titel: Sestante M.H. für Klavier (2018, UA)
I: Luca Lavuri (Klavier)
Länge: 03:05 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Wolfgang Suppan
Titel: Regenbild für Klavier (2017, UA)
I: Eriko Muramoto (Klavier)
Länge: 03:12 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Simeon Pironkoff
Titel: Lueurs für Klavier (2018, UA)
I: Mathilde Hoursiangou (Klavier)
Länge: 02:40 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Elisabeth Harnik
Titel: of all stars the most beautiful für Klavier (2018, UA) (Ausschnitt)
I: Kimiko Krutz (Klavier)
Länge: 04:02 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Reinhard Fuchs
Titel: Tremante. Innenraumstudie für Klavier solo (2019, UA)
I: Luca Lavuri (Klavier)
Länge: 05:37 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Gerald Resch
Titel: Notturno turbato für Klavier (Tasten und Saiten) (2017, UA)
I: Eriko Muramoto (Klavier)
Länge: 03:55 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Michael Jarrell
Titel: Petite danse für Klavier (2019, UA)
I: Mathilde Hoursiangou (Klavier)
Länge: 01:43 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Charlotte Seither
Titel: lauschgut für Klavier (2018-2019, UA)
I: Kimiko Krutz (Klavier)
Länge: 07:27 min
Label: Manus

Komponist/Komponistin: Bernhard Lang
Titel: DW 31. Loops für Edgar Froese für Klavier vierhändig und Zuspielung (2017, UA) (Ausschnitt)
I: Mathilde Hoursiangou (Klavier)
I: Luca Lavuri (Klavier)
Länge: 02:05 min
Label: Manus

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