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Wildes Denken:“Total Digital oder Postdigital“ Das ganz und gar „glitchige“ wilde Denken

Es geht daneben. Und das ist toll. „Glitch“ heißt ein Fehler in elektronischen Schaltkreisen oder Bildprogrammen. Und ein Genre der elektronischen Musik, das das Unperfekte zur Methode erklärt: Kratzen, Knistern und Rauschen.

Eben noch ein Misslingen, jetzt ein gezielter Effekt missbräuchlich genutzter digitaler Prozesse. Aber nicht als nostalgisch-analoges Retro, sondern als progressiver Akt: nicht Verweigerung, sondern Überdehnen. Erst total digital ist postdigital. Oder wie der Informatiker Nicolas Necroponte schon Mitte der 1990er bemerkte: „Wie die Luft und das Wassertrinken wird Digitales nur durch seine Ab- und nicht Anwesenheit bemerkt werden.“

Wildes Denken schaltet das Smartphone aus und lässt das File wegen des warmen Klangs über eine Bandmaschine laufen. Ignoriert die Räuspertaste und übt sich im smarten Stottern. Digital ist so was von durch. Wir erklären die Digitalisierung zum historischen Weltkulturerbe. Wir durchbrechen die binären Zwänge des Off and On. Denn um uns vom Digitalen zu erlösen, müssen wir es lieben!

 

© Bayern 2, Nachtstudio, Wildes Denken, 24.9.2019

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