„Wir haben keine Krise“ Hörspiel über den alltäglichen Kontrollverlust Von Saralisa Volm
Sarah lebt ein normales Leben. Bis eines Tages ein kleines schwarzes Loch auftaucht, das sie zwingt alles infrage zu stellen. Ein Hörspiel, das zeigt, wie schwer es ist, den Mut aufzubringen, sich seinen Schwächen und Fehlern hinzugeben.
Sarah fühlt sich sicher, wenn sie zwischen Linoleumboden und Desinfektionsmittelgeruch Babys wiegt und Blut abnimmt. Sie ist Hebamme und bringt Kinder zur Welt. Sie hat ihr Leben im Griff. Sie liebt ihren Mann Janko und ihre zwei Töchter Juli und Otto. Und TOM, der Sprachassistent, wünscht der Familie jeden Tag einen ‚Guten Morgen‘. Erst als der kleine schwarze Fleck im Kinderzimmer zu einem immer größeren Loch wächst, wird Sarah nervös. Weder Wandfarbe noch Spachtelmasse können ihn eindämmen oder gar verhindern, dass Juli im Loch verschwindet. Bald dreht sich alles nur noch um das Stopfen des Lochs, um das Ende der Sicherheit und die Planung des kontrollierten Kontrollverlustes. Denn das Bild, das man von sich selbst produziert hat, lockt einen in ein Gefängnis, in dem das echte, fehlerhafte Ich beständig versteckt werden muss. Umfallen. Liegen bleiben. Vielleicht bedeutet das Aufgeben der Fassade die größte Stärke?
Wir haben keine Krise
Von Saralisa Volm
Regie: die Autorin
Mit: Inka Löwendorf, Friederike Kempter, Helene Herwig, Mandy Rudski, Daniel Zillmann, Alexander Khuon, Saralisa Volm und Susanne Sachsse
Komposition: Malakoff Kowalski
Ton und Technik: Hermann Leppich und Philipp Adelmann
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2020
© Deutschlandfunk, Hörspiel, 22.11.2020