Zeit Online: Weltmusik-Festival Rudolstadt „Mein Folksfest“. Von Christoph Dieckmann

Unser Autor Christoph Dieckmann liebt das Weltmusik-Festival in Rudolstadt. Zwei Jahre lag es wegen Corona brach. Fühlt es sich nun anders an?

Gott sei Dank, da sind wir endlich wieder, das deutsche Folk und unser Fest der Weltmusik. Nur die Welt ist eine andere geworden. Vor drei Jahren präsentierte das Rudolstadt-Festival den Länderschwerpunkt Iran. Für 2020 war Deutschland annonciert (zur Skepsis des Reporters). Es kam die Globalseuche Corona. Das Programm wurde eingefroren und 2021 nicht wieder aufgetaut. Eine Sieben-Tage-Inzidenz von gut fünf gestattete kein Festival. Jetzt lag sie weit über 600, da ging’s, ohne Impfnachweis und Maskenpflicht. Auch Verdrängung scheint ein Virus.

Hat man sich nicht selbst verändert? Ich lebte Corona-vernünftig. Musik von der Platte, Kino von der DVD, Kontakt via Computer, Telefon. So verinselt man. Reisen, die Nähe Tausender Menschen, das Erlebnis leibhaftiger Konzerte – alles verlernt.

Nun aber rollt der Berliner durch Weinberge und schwingende Auen „an der Saale hellem Strande“. Naumburgs Türme erscheinen, dann die „Burgen stolz und kühn“. Umsteigen in Jena-Paradies. Den Bahnsteig bewimmeln Allwetter-Folkies mit Camping-Gepäck. Dunkler Himmel, hinter Kahla steigen Nebelschwaden aus dem Tann. Schon ist unser Mekka erreicht, das Residenzlein zu Füßen der mächtigen Heidecksburg.



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