Netflix und Amazon im Abo – warum nicht auch die Lieblingsband? Die Social-Payment-Plattform Patreon sichert Kreativen ein Monatseinkommen, während sonst viel wegbricht.
Jack Conte hat das Limit zweier Kreditkarten ausgereizt und all seine Ersparnisse geopfert, um für 10.000 US-Dollar ein Musikvideo zu drehen. Er hält das für eine gute Investition. Auf YouTube wird der Clip innerhalb eines Monats mehr als eine Millionen Mal angesehen – ein großer Erfolg, denkt er zumindest. Und dann überweist ihm YouTube das Geld für die erreichten Klicks: Es sind 166 Dollar.
Das war Mitte 2013. Heute ist der Amerikaner Jack Conte immer noch Musiker. Aber er ist auch CEO von Patreon, einer Social-Payment-Plattform, die er als Reaktion auf diese Farce gegründet hat. „Es hat mich einfach krank gemacht zu sehen, wie Kreative in dieser Welt ausgebeutet werden. Wir sind es schließlich, die das Internet mit Inhalten füllen. Aber wir können nicht mal ansatzweise davon leben. Das wollte ich ändern“, erzählt Conte vor wenigen Tagen in einem Zoom-Gespräch. Im Moment steigt die Mitgliederzahl seiner Plattform rasant. Denn jetzt können noch viel weniger Künstler von ihrem Schaffen leben – sie schaffen zwar, aber die Einnahmen aus Auftritten bleiben aus, Veröffentlichungstermine wurden verschoben. „Seit Beginn des Lockdowns Mitte März haben sich 70.000 neue Creator bei uns angemeldet“, sagt Conte, der seine Plattform als Gewinner der Krise sieht…
© ZeitOnline, Kultur, 19.5.2020
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