ZeitOnline: „Schöner in die Midlife-Crisis“ Arctic Monkeys: The Car

Mit den Arctic Monkeys ist eine weitere wilde Band endgültig in ihrer Rotweinphase angelangt. Das muss nichts Schlechtes heißen, wie ihr siebtes Album „The Car“ beweist. Eine Rezension von Maximilian Sippenauer.

Denkt man an die Arctic Monkeys, kommt einem schnell das Bild eines bestimmten Typen in den Sinn: ein junger Kerl, weißes Hemd, schwarzes, kurz rasiertes Haar, die Augen zu koketten Schlitzen zusammengezwickt. Ein Typ, der lustvoll an seiner Kippe zieht. Das Foto ist in einem Schwarz-Weiß gehalten, das eigenwillig bläulich ist, zigarettendunstfarben. Es zeigt, wie zu recherchieren ist, Chris McClure, einen für die Musikgeschichte nicht weiter relevanten Kumpel der damals noch blutjungen Gruppe Arctic Monkeys. Er war es, der vom Cover von Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not schaute, dem Debütalbum der Band.



Identifikation durch Identifikationsverweigerung versprach diese Ikonografie damals. Sie machte die Arctic Monkeys aus Sheffield im Jahr 2006 zu einer Verheißung auf die Coolness ironischer Nonchalance und Verschwendung am Leben. Wenn man die CD aus der Papphülle zog, hatte man den kreisrunden Aufdruck eines randvollen Aschenbechers in der Hand, und man wusste: Jeder Zigarettenstummel hier brannte für eine Idee fantastischen Lebens. Genau so klang die Musik.



© ZeitOnline, Kultur, Musik, 21.10.2022

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