ZKM – Zentrum für Kunst und Medien über Alvin Lucier

2020 erhielt Alvin Lucier den Giga-Hertz-Hauptpreis 2020 für sein Lebenswerk. Die Kompositionen des US-amerikanischen Künstlers beeinflussen seit Mitte der 1960er-Jahre nachhaltig die neue, experimentelle Musik und die Klangkunst. Als Forschender beschäftigt er sich in seinen Werken mit der phänomenologischen Verschmelzung von Akustik, Stimme und Klang als physischer Äußerung – sei sie elektronisch, instrumental oder anhand von Eigenschwingungen mikrophonierter Gegenstände wie beispielsweise Vasen – und als Partner in geteiltem Gespräch.


François J. Bonnet über Hauptpreisgewinner Alvin Lucier

  • Alvin Lucier ist eine Schlüsselfigur für jeden, der die Entwicklung der Musik von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an bis heute vollständig verstehen möchte. Zusammen mit Robert Ashley, David Behrman und Gordon Mumma mit der »Sonic Arts Union« (aktiv von 1966 bis 1976) gelang es Alvin Lucier, den von der amerikanischen Avantgarde eingeschlagenen Weg, insbesondere jenen von John Cage, fortzusetzen und zu erneuern, indem er die Kompositionstechniken auf Geräte und akustische Phänomene ausweitete und damit den Kompositionsprozess selbst neu gestaltete. »Music for Solo Performer« (1965), das Alpha-Gehirnwellen als instrumentale Trigger verwendet, »I Am Sitting in a Room« (1969), welches sich auf den Prozess an sich als offenbarenden Motor der Komposition fokussiert, oder »Music on a Long Thin Wire« (1977), das die Grenzen zwischen musikalischer Komposition und Klanginstallation ausreizt, sind nur einige Beispiele für das ständige Suchen und Forschen, das Alvin Luciers Musik kennzeichnet. Sein Einfluss auf das musikalische Feld ist zudem fundamental in seiner Lehrtätigkeit, vor allem an der Wesleyan University (1968-2011) und in einigen seiner Schriften, wie beispielsweise »Reflexionen: Interviews, Partituren, Schriften« (Köln, MusikTexte, 1995) oder »Musik 109: Anmerkungen zu experimenteller Musik« (Middletown, CT, Wesleyan University Press, 2012). Inspirierend ist auch seine Fähigkeit, diese Neugierde hinsichtlich des Klangphänomens und der Weise, wie wir es als Menschen erfahren, dauerhaft aufrechtzuerhalten – das heißt, die entwaffnende Erfahrung des Menscheins angesichts einer phänomenalen, nicht entschlüsselbaren Welt musikalisch zu erweitern. Diese poetische Neugierde hat uns Alvin Lucier nicht nur im Laufe der Jahre mit einer bewundernswerten Frische, Langlebigkeit und Beständigkeit gebracht, sondern auch in jüngster Zeit mit faszinierenden Werken wie »Criss-Cross« (2013), »Hanover« (2015) oder »V« (2018). Im Angesicht all dieser Betrachtungen freut sich die Jury darüber, den Giga-Hertz-Hauptpreis an Alvin Lucier zu verleihen.





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