Zum 130. Geburtstag von Ernst Jünger: „Auf den Marmorklippen“
Ernst Jünger war nie Parteimitglied der NSDAP, aber er ging auch nicht wie viele deutsche Autoren, die um ihr Leben fürchten mussten, ins Exil. Sein 1939, am Vorabend des II. Weltkriegs in Nazi-Deutschland veröffentlichter Roman „Auf den Marmorklippen“, wird vielfach ethisch wie ästhetisch ambivalent beurteilt.
Einerseits wurde er als literarisches Beispiel für den Widerstand und die innere Emigration zu Zeiten der NS-Diktatur gelesen. Bis in die 1960er Jahre war der Roman Schullektüre. Anderseits wurde er von vielen verfemt als ein Werk, das indirekt mit dem Faschismus sympathisiere.
Leserinnen und Leser mögen sich ein eigenes Bild aus dem Blickwinkel historischer Distanz machen. Und die Hörspielfassung, sie vermag vielleicht Hörerinnen wie Hörer anzuregen, dem künstlerischen Werk dieses durchaus widersprüchlichen aber nicht minder faszinierenden Autor erneut zu begegnen, dessen 130. Geburtstag am 29. März begangen wird.
Ernst Jüngers Roman ist formal eine phantastisch-symbolistische Parabel über den Totalitarismus. Erzählt wird die Geschichte zweier Brüder, ehemalige Soldaten, die in einem fiktiven Reich leben. Hoch oben von ihrem Ruckzugsort aus werden sie Zeugen der Zerstörung einer mediteran anmutenden Kulturlandlandschaft und der Vernichtung einer friedfertigen Zivilisation.
Am Ende müssen die Brüder sich entscheiden, zu fliehen oder zu kämpfen. Denn die inneren gesellschaftlichen Konflikte dieser Gesellschaft, hinter der unschwer Europa zu erkennen ist, weiß ein plündernder wie mordender Tyrannen gnadenlos für sich zu nutzen – bis alles apokalyptisch in Feuer aufgeht, in hemmungsloser Barbarei sich auflöst.
Auf den Marmorklippen
Mit: Sylvester Groth
Musik: Steffen Schleiermacher
Hörspielbearbeitung und Regie: Ulrich Lampen
Produktion: SWR 2025 – Premiere