„Zwischen Ironie und Understatement“ – Der britische Saxofonist Tony Coe im Porträt mit Harry Lachner

Humorist, Sensibilist, Avantgardist. Ja, vielleicht noch ein wenig eingefärbt von traditionalistischem Formdenken – so könnte man kurz den Charakter des Saxofonisten und Klarinettisten Tony Coe umreißen. Und doch sind diese Kategorien für einen Musiker unzulänglich, der sich jedem vereinnahmenden Zugriff entzieht.

mit Harry Lachner

Man erzählt sich, dass Count Basie einst alles daransetzte, den 1934 in Canterbury geborenen Tony Coe für seine Bigband zu verpflichten – als Nachfolger für Eddie „Lockjaw“ Davis. Das hat zwar nicht geklappt, zeigt aber, wie sehr Tony Coe schon in jungen Jahren in Musikerkreisen geschätzt wurde. Doch für das große Publikum blieb er immer ein Geheimtipp. Vermutlich weil er keinem fest umrissenen musikalischen Stil folgt. Er frönt mit Tony Oxley, Derek Bailey oder Peter Brötzmann herrlich rauen Improvisationsschüben und schrammt mit seinem Mancini-Projekt hart am Rande des Sentimentalen entlang; er arbeitet in Franz Koglmanns Neo-Cool-Jazz-Projekten und treibt im Trio Melody Four die Ironie bis an den Rand des Klamauks; er begleitet auf einfühlsamste Weise die Sängerin Norma Winstone und nähert sich mit dem Quartett Lonely Bears dem Rock-Idiom. Erstaunlich aber ist, mit welcher Souveränität und Tonkultur, mit welchem melodischen Einfallsreichtum sich der Saxofonist durch all diese disparaten Stile spielt. Tony Coe ist schlicht eine Ausnahmeerscheinung des modernen Jazz.

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© WDR 3, Jazz & World | 11. November 2016

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