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30 Jahre Zeit-Ton! Franz Hautzinger erfindet 2000 für das ORF-Festival musikprotokoll das Trompetenspiel neu.

Am 2. Juni 1993 ging die erste „Zeit-Ton“-Sendung on air – also heuer vor 30 Jahren. Wir eröffnen dieses Jubiläumsjahr mit drei ausgewählten Schätzen aus dem reichen „Zeit-Ton“-Archiv, weitere werden in den kommenden Monaten folgen.

Das ORF-Festival musikprotokoll im steirischen herbst im Jahr 2000: Die heute so omnipräsente List-Halle gibt es noch gar nicht, man spielt im später auszukernenden Skelett der alten Waagner-Biro-Hallen. Es ist erstaunlich kalt in diesem Oktober und eine einsame, wirklich unbegleitete Trompete in einer riesigen, leeren, stockfinsteren, alten Industriehalle hat es wahrlich nicht leicht. Aber ein einsamer Lichtspot und ein fantastischer Hut des Trompeters wärmen zumindest ein wenig die Herzen der Zuhörer/innen, bevor es überhaupt etwas zu hören gibt.

Das dann zu Hörende macht allerdings das Leben auch nicht sogleich leichter: die Trompete ächzt, stöhnt, raunt, zischt, rauscht, gluckst, pfeift, röhrt, klagt, jubelt, singt, höhnt, spielt vielleicht sogar einmal ein paar Töne, die man als klassische Töne rubrizieren kann. Die Trompete jubiliert, sie exaltiert, sie resigniert, sie philosophiert, sie transzendiert, sie randaliert, sie exekutiert. Wozu braucht sie da noch „Töne“?

Es war die erste Präsentation von Franz Hautzingers Alter Ego Projekt „Gomberg“ vor großem Publikum, es wurde in einem „Zeit-Ton“ präsentiert und es war der allererste „Zeit-Ton“ mit Elke Tschaikner als Gestalterin.
(Erstausstrahlung: 19. Oktober 2000)



© Ö1, Zeit-Ton, 5.1.2023

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