68 – Das neue Hörspiel „Walzer der Verirrten“ Von Hans Fors
Bei Waterloo, Verdun, Stalingrad, Budapest, Dien Bien Phu, am Suez, im Kongo und um Saigon: Unzählige Kriegsschauplätze evozieren die schrecklichste und andauernde Verblendung des menschlichen Geistes: den dreitausendjährigen Krieg.
Kein fixierbarer Schauplatz, keine bestimmte Zeit: „Vilsevals„, wie der Originaltitel dieses schwedischen Hörspiels heißt, spielt auf allen geschichtlichen, allen noch denkbaren Kriegsschauplätzen: Eine „Komposition für Stimmen“, die keine nacherzählbare, kontinuierliche Handlung liefert.
Stattdessen drei angerissene und wiederaufgegriffene Szenen, die sich stärker einprägen: Ein Mädchen, das ihrem Bräutigam an der Front in einem imaginären Dialog erklärt, warum sie den Brief an ihn nie aufgeben wird; ein Soldat, der sich weigert, weiter zu marschieren und von der eigenen Truppe liquidiert wird, beklagt von einer fremden Hure; ein alter Afrikaner, der in den Park einer Europäerin eingedrungen ist, die seinem todkranken Sohn das Medikament verweigert. Der Grundtenor dieser Kriegs-Collage ist dem Titel entsprechend sarkastisch und pessimistisch. Angeprangert werden nicht die Kriegstreiber und ihre fragwürdigen Ideologien, sondern die Trägheit und Gleichgültigkeit des „Menschenmaterials“, der anonymen Masse, die zwar flucht und aufbegehrt, aber immer weiter marschiert. Der Stil dieser Komposition für Stimmen erinnert vor allem in den monotonen Wiederholungen der Sprechgesänge an die Provokationen des Living-Theatre.
„Walzer der Verirrten“ wurde 1969 für seinen Einsatz der damals noch jungen Audiotechnologie als „bestes Stereohörspiel“ von der Rundfunkindustrie ausgezeichnet.
„Walzer der Verirrten“
Von Hans Fors
übersetzt aus dem Schwedischen von Marianne Weno
Komposition: Enno Dugend
Regie: Raoul Wolfgang Schnell
Redaktion: Thomas Leutzbach
Produktion: WDR/SFB 1968
© WDR 3, Hörspiel, 12.11.2018