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70/80 Ritual Musik Theater (2/5): Olivier Messiaens „Saint Francois d’Assise“

Die zu Ende gehenden 1970er-Jahre: die Technokratie der Musik durch die serielle Methode in der Sackgasse, die utopischen Hoffnungen der elektronischen Musik unerfüllt, der Zufall zur postmodernen Beliebigkeit verfallend.

Von Lydia Jeschke

Aus diesem Dilemma suchen so unterschiedliche Komponisten wie Wolfgang Rihm, Olivier Messiaen, Luigi Nono, Harrison Birtwistle und Per Nørgård einen Ausweg. Völlig unabhängig voneinander suchen sie zeitgleich die musikalische Authentizität in der Verbindung von Ritual, Musik und Theater. Es ist der unterbewusste Link höchst unterschiedlicher Konzeptionen, die alle Ausdruck einer musikalischen Zeitenwende sind.

Zwischen 1975 und 1983 erarbeitete der französische Komponist Olivier Messiaen seine einzige Oper „Saint Francois d’Assise“ als Summa summarum einer zutiefst religiös durchdrungenen Musiksprache. Doch sein Bühnenwerk ist keineswegs eine Art kunstreligiöse Erhebungsfeier, keine Übertragung des Gottesdienstes auf die Bühne oder ein Oberammergauer Passionsspiel fürs Musiktheater. Es ist vielmehr das bildgewaltige und klangmächtige Ritual des unerschütterlichen Glaubens. Die Stationen dieser musikalischen Legende kreisen mit Krankheit, Vogelpredigt, Stigmatisierung und Tod in ihrer Handlungslosigkeit immer nur um eines: um die Zeichen der Liebe Gottes.

© SWR 2, JetztMusik, 10.6.2019

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