Der Radiohoerer trifft Wadada Leo Smith in Berlin …
oder das Konzert von Wadada Leo Smith, Jakob Bro & Marcus Gilmore feat. Thomas Morgan im Boulez Saal vom 8.11.2025. Im Jahr 1981 sah ich Wadada Leo Smith zusammen mit Baby Sommer und Peter Kowald beim Open-Air-Jazz in Peitz. Es war für mich ein unvergessliches Konzert. An dieses Konzert kann sich auch Baby Sommer noch sehr gut erinnern, wie er mir selbst erzählte.
Seit etwa einem halben Jahr freue ich mich auf dieses Konzert. Denn aufgrund meines Jobs kann ich oft viele Konzerte nicht besuchen.
Aber dieses hier sollte klappen. Und es sollte ein perfekter Tag werden, der Tag, an dem ich Wadada Leo Smith wiedersehen würde.
Jakob Bro hatte diese Gruppe von Musikern zusammengestellt und es war – wie so oft – eine sehr gute Wahl. Mit von der Partie waren Marcus Gilmore am Schlagzeug, Thomas Morgen am Bass, Wadada Leo Smith an der Trompete und Jakob Bro selbst an der Gitarre.
Für mich zählt Wadada Leo Smith zu den größten lebenden Jazzmusikern an der Trompete. Ich besitze unzählige Veröffentlichungen von ihm und freue mich sehr, dass er in den letzten Jahren so viel Anerkennung für seine Musik bekommt, die er mehr als verdient.
Zuhören, Pausen, intensive Dialoge und ein hoch energetisches Zusammenspiel – all das zeichnet dieses Konzert aus.
Endlich konnte ich Thomas Morgen am Bass erleben. Dieser Mann wirkt so unscheinbar und erwacht erst mit seinem Bass in der Hand zur vollen Größe.
Jakob Bro legte mit seinen Effektgeräten Schicht um Schicht übereinander, wobei er seine Gitarre als Ausgangsbasis nutzte. So bestimmte er mit seinen Sounds oft den Gesamtklang.
Marcus Gilmore weiß genau, wann er nicht spielen sollte (was er oft tat), nur um dann später das Tempo anzuziehen und alle zusammenzuführen oder geschickt zu begleiten.
Und Wadada Leo Smith saß mit seiner Trompete hochkonzentriert da und wog jeden Ton ab. Leider war zu viel Hall auf der Verstärkung. Auch konnte Jakob Bro bei den schnellen Improvisationen mit seiner Art, Gitarre zu spielen, den anderen nicht immer folgen. Seine elektronischen Geräte funktionieren nicht so schnell. Aber das war nicht wirklich störend. Den meisten wird das gar nicht aufgefallen sein.
Insgesamt war es ein stimmiges Konzert. Es wurde von der Präsenz von Wadada Leo Smith getragen, auch weil den mitspielenden Musikern bewusst war, mit wem sie da zusammen Musik machten. Dieser Respekt war immer zu spüren.

Ich bin froh, dass ich nach dem Konzert im Boulez Saal noch etwas geblieben bin – vor allem, um die Idee des Architekten zu bestaunen, einen so besonderen Saal zu konstruieren. Plötzlich kamen alle Musiker zurück auf die Bühne, darunter auch Wadada Leo Smith.

Und nun, über 40 Jahre später, stehe ich mit Wadada Leo Smith im Boulez Saal, drücke ihm die Hand und erzähle ihm von meinem Konzerterlebnis in Peitz.
Er schaute mich etwas ungläubig an, dann begann er zu lächeln. „Es war eine tolle Zeit mit den beiden”, erzählte er mir und bat mich, Baby Sommer von ihm zu grüßen.