10. Todestag von David Bowie. „Die Erschütterung ist heute noch zu spüren“ + „Vor zehn Jahren starb David Bowie und wurde dadurch unsterblich“
Zum 10. Todestag von David Bowie gibt es hier 2 Beiträge. Zuerst von Stephanie Grimm (TAZ) und Jakob Thaller (Der Standard).
Was für ein beschissener Morgen, dieser 11. Januar 2016. Wir wollten verreisen und mussten früh aufbrechen, entsprechend kurz war die Nacht. Mit müden Augen checkte ich morgens schnell meine Mails. Mein Kumpel P. hatte geschrieben, die traurige Nachricht stand schon im Betreff: Bowie ist tot. Am 10. Januar war er gestorben.
Mit Wucht fuhr es mir in die Magengrube. So bescheuert es klingt: Es fühlte sich an, als hätte ich einen Freund verloren. Einigermassen fassungslos stand ich in der Küche. Mein damaliger Partner guckte mich erschrocken an. „Was ist los? Fuck, no!“ Er hatte sich schon gewundert, warum im Radio ein David-Bowie-Song nach dem anderen lief. Auch der Nachrichtensprecher hatte einen Kloß im Hals, das hörte man. © Texte: Stephanie Grimm.
© TAZ, Kultur, Musik, 11.1.2026
Der britische Musiker erlag am 10. Jänner 2016 einem Krebsleiden. Auf dem zwei Tage zuvor erschienenen Album „Blackstar“ verwandelte er den Tod in sein letztes Kunstwerk
Als David Bowie dem Tod bereits ins Auge blickte, packte er ihn noch einmal, um ihm einen letzten Tanz abzuringen. Sein finales Album Blackstar, nur zwei Tage davor an seinem 69. Geburtstag erschienen, entfaltete erst seine volle Wucht, als der nach den Sternen greifende Künstler von zumindest dieser Welt physisch verschwand. „Look up here, I’m in heaven / I’ve got scars that can’t be seen“, sang er auf der apokalyptischen Nummer Lazarus; im dazugehörigen Video sieht man den ergrauten Bowie an sein Sterbebett gefesselt, mit bandagiertem Kopf und schwarzen Knöpfen anstelle der Augen. Wieder einmal hatte er sich verwandelt.
Es gibt wenige Erdbewohner, die im Laufe eines Lebens so viele Gestalten angenommen haben wie Bowie: der Thin White Duke, der Astronaut und Junkie Major Tom, das ikonische Blitzgesicht Aladdin Sane oder Ziggy Stardust, ein androgynes Glam-Rock-Alien. Kaum vorzustellen, dass Bowie einmal als unspektakuläres Baby namens David Robert Jones auf die Welt gekommen ist, nämlich am 8. Jänner 1947 in London. Der Stadtteil Brixton, in dem seine Familie lebte, war noch zerbombt vom Zweiten Weltkrieg und der spätere Weltstar soll ein schüchternes Kind gewesen sein; eine Einschätzung, die einerseits wenig glaubhaft erscheint, jedoch anderseits wie ein Entschlüsselungsversuch für den ihn umgebenden Mythos dienen kann. © Texte: Jakob Thaller.
© Der Standard, Kultur, Musik, 10.1.2026