Kulturforum Reingehört: Chris Forsyth’s WHAT IS NOW – Both / And // Algorithm Free
Von Gerhard Emmer. Chris Forsyth, trittsicherer und inspirierter Wanderer zwischen gewichtiger US-Rocktradition der Siebziger und ureigenem barrierefreiem Gitarren-Experiment, hat sich in der Vergangenheit seine Meriten mit großartigen, hochgeschätzten Cosmic-American-Alben wie ‚All Time Present‘ oder ‚Dreaming In The Non-Dream‘ verdient …
… solo, im Verbund mit der Solar Motel Band oder den New-Jersey-Psychedelikern Garcia Peoples, in jüngster Zeit kollaboriert er zusammen mit dem vielbeschäftigten Gitarristen/Basser Douglas McCombs (Tortoise, Eleventh Dream Day, Brokeback, Pullman) und dem Jazz-Drummer Mikel Patrick Avery im gemeinsamen Improvisations-Trio BASIC, im Outer Space zwischen Post/Art-Rock und Trance Jazz, neue Platte vom Trio kommt demnächst im Juni. Grob in Richtung experimenteller Jazz wies auch sein konzertantes Zusammenspiel im vergangenen Herbst/Winter zu diversen Gelegenheiten in Pennsylvania mit Joey Sullivan und John Moran, als Drummer und Kontrabassist bilden sie die Rhythmus-Abteilung der Combo Bark Culture um den Vibraphonisten Victor Vieira-Branco. Wobei das Jazz-Label nur ein unbeholfener Versuch wäre mangels anderer Einwürfe zur Würdigung des temporären Forsyth-Projekts WHAT IS NOW und der ersten Platten-Veröffentlichung ‚Both / And‘ dieses Kombinats.
Dem letztjährigen Impro-Rausch des Trios Orcutt Shelley Miller nicht unähnlich. Eine fiebrige ‚Dark Star‘-Halluzination in generationenübergreifender Fortführung des Grateful-Dead-Klassikers oder der alternative Soundtrack für den abgedrehten Irrsinn im ‚Apocalypse Now‘-Dschungel. Wobei in letzterem Fall nicht klar ist, ob die Schreckensherrschaft des Colonel Kurtz im kambodschanischen Dschungel endet oder Captain Willard bereits vor Anlanden zum Vollzug seiner Mission im Drogenrausch aus dem Boot fällt.
© Kulturforum, 24.4.2026