Bandcamp – Album of the Day: Shackleton – „Euphoria Bound“
Von Lewis Gordon. In gewisser Weise ist Shackleton ein musikalischer Schamane. In seiner 20-jährigen Karriere – darunter die monumentalen EPs „Music For the Quiet Hour / The Drawbar Organ“ aus dem Jahr 2012 und das jüngste Highlight „The Tumbling Psychic Joy of Now“ – hat der gefeierte Produzent seine Zuhörer auf eine Reise durch die äußeren Grenzen von Spiritual Dub, karnatischer Musik, alternativen Stimmmethoden, Prog, deutscher Volksmusik und Free Jazz mitgenommen.
Es ist eine unbestreitbar berauschende Mischung, die manchmal überwältigend sein kann: Das Zuhören kann sich anfühlen, als würde man einen Raum betreten, der mit dichtem Weihrauchrauch und esoterischen Objekten gefüllt ist; alles ist darauf ausgerichtet, dich in die Zone zu bringen, insbesondere die andächtigen Gesänge.
Doch mit Euphoria Bound, seinem Solo-Nachfolger zu The Scandal of Time aus dem Jahr 2023, hat sich der Nebel, der über den meisten Werken des britischen Künstlers liegt, teilweise gelichtet. Es gibt weniger rituelle Glocken und unheilvoll hallende Soundeffekte, die über diesen spinnenartigen Dubstep-Grooves verhallten. Auch sind diese Tracks nicht so lang wie Prog-Epen; viele sind etwa sechs Minuten lang. Diese Vorwärtsdynamik ist besonders spürbar und rave-tauglich in Songs wie „Contagious Illusions“, in denen Shackleton einige Momente lang gemächlich kreist, bevor er einen echten Drop, stakkatoartige Kicks und hochgestimmte Handtrommeln entfesselt, die gleichzeitig losgehen, während ein kehliger Bass das Arrangement zu verschlingen droht.
Trotz all seiner Anspielungen auf die Tanzfläche weigert sich Shackleton, die Dinge ganz geradlinig zu spielen. Die knackigen Kicks und Snares von „Crushing Realities“ erinnern an Grime, doch der Produzent überzieht den Track mit zischenden Geräuschen, während eine entfernte, abgeschnittene Stimme darum kämpft, gehört zu werden. Der tief liegende, synkopierte Beat von „The Unbeliever’s Pulse“ erinnert an UK Garage, ist aber mit rauschenden Sci-Synths überzogen. Diese produktiven Schnörkel mindern nicht die Dringlichkeit der Musik, sondern vertiefen sie lediglich, und es ist ein Genuss, Shackleton in einer so flexiblen, direkten Form zu hören.
Weitere Offenbarungen tauchen auf, insbesondere das Klimpern der schimmernden Tremolo-Gitarre in „The Dream in Fragments“ – Lichtfragmente, die inmitten ansonsten dichter Orgelmelodien glitzern. Dennoch kann man die Veränderung, die Euphoria Bound darstellt, überbewerten. Getreu Shackletons bisheriger rätselhafter Form ist dies ein Werk voller Geheimnisse statt Antworten, das auch eine tiefe psychische Anziehungskraft ausübt. Aber das tranceartige Hörerlebnis von Euphoria Bound ist weniger kopflastig als seine anderen Alben. Diese straffen, sich windenden und durchweg fesselnden Rhythmen halten den ganzen Körper fest im Griff.
© Bandcamp Daily, 26.1.2026