Musiktipps

Bandcamp: Ivo Perelman nennt uns seine Bandcamp Jazz Favoriten

Von George Grella. „Ich bin ein respektvoller Beobachter der Meister und pflege die Sprache der Älteren. Ich bin ein konservativer Jazzmusiker.“

So beschreibt sich der Saxophonist Ivo Perelman selbst. Auch wenn es für einen Free-Jazz-Musiker – und Perelman ist eine der führenden Figuren der Improvisationsszene, nicht nur wegen seines gekonnten, einfallsreichen und ausdrucksstarken Spiels, sondern auch, weil er scheinbar überall zu finden ist und mit jedem spielt – unpassend erscheinen mag, sich selbst als konservativ zu bezeichnen, macht es für ihn doch Sinn. Er kann im Stil der alten Schule spielen, mit butterweichen Tönen, und dann mit den Besten seiner Zunft quietschen und schreien; in einem Moment schwärmerisch und romantisch sein, im nächsten stechend und verschmiert.

Als angehender Musiker in Brasilien – „Ich war Architekturstudent und spielte abends Dixieland“ – war es das Hören von Meistern wie Sonny Rollins, John Coltrane, Jackie McLean und Wayne Shorter, das in ihm den Wunsch weckte, sich der Musik zu widmen, und ihm die Energie gab, nach Amerika zu ziehen und am Berklee College of Music in Boston zu studieren. Das war sowohl ein großer als auch ein kleiner Schritt, wobei der letztere darin bestand, nach Amerika zu kommen. Berklee war weniger ein Anfang als vielmehr eine Zwischenstation oder ein Sprungbrett zu Größerem und Tieferem.

„Mann, ich kam nach Boston“, sagt Perelman, „und dachte: ‚Wow, das ist es. Hier werde ich lernen, wie man Musiker wird.‘ Das ist eine großartige Schule. Aber dann wurde es mir zu viel. Es war eine Schule im besten und im schlimmsten Sinne des Wortes.“ Berklee wurde letztendlich zu einem Ort, an dem Perelman für seine persönliche Ausdrucksweise bewundert, aber dafür kritisiert wurde, dass er nicht in das Konzept der Schule passte. „Das war ein echtes Problem für mich. Ich habe mir tolle Projekte für sie ausgedacht. Der Lehrer sagte: ‚Das ist großartig, sehr originell‘, und gab mir dann eine 6. Warum eine 6? ‚Nun, das hier ist eine Schule, du hast keines der Werkzeuge verwendet, die ich dir das ganze Semester über beigebracht habe.‘ Deshalb habe ich Berklee verlassen“, nach nur einem Semester.

Weder der erste noch der letzte talentierte, eigenwillige Jazzmusiker, der erkannte, dass die Schule nicht das Richtige für ihn war (Miles Davis ist der berühmteste), machte sich Perelman auf eigene Faust auf den Weg und fing einfach an zu spielen. Er zog nach Los Angeles und veröffentlichte 1989 ein Mainstream-Modern-Jazz-Album, Ivo. Sein Sound war eine Mischung aus Jan Garbarek und Gato Barbieri, in der jedoch der Geist von Albert Ayler durchschimmerte. Dieser Drang trieb ihn weiter, bis nach New York City und durch Jahrzehnte des freien Spielens bei scheinbar jeder Gelegenheit mit wem auch immer gerade zur Hand war. Mit fast 100 Alben kann er gar nicht anders, als sich selbst in seine Lieblingsmusik auf Bandcamp aufzunehmen. Denn, wie er sagt: „Ich wüsste nicht, was ich tun sollte, wenn ich kein Musiker wäre.“ Alles, was er tun kann, ist spielen.

© Bandcamp Daily, 10.6.2026

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