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Bandcamp Musiktipp: The Notwist, “News from Planet Zombie”

Von Jim Allen. Nach fast vier Jahrzehnten gemeinsam auf der Bühne haben die deutschen Experimental-Ikonen The Notwist gerade ihr bislang ausgereiftestes Album veröffentlicht.

Das soll weder eine hinterhältige Andeutung sein, dass sie erst am Anfang stehen, noch der Eindruck erwecken, sie hätten ihre volle künstlerische Reife nicht schon längst erreicht, sondern lediglich die Feststellung, dass News from Planet Zombie in ihrem umfangreichen Werk, das von knurrendem Grunge bis hin zu synthielastigem Pop reicht, das nachdenklichste Material enthält, das sie je aufgenommen haben.

Wenn News from Planet Zombie in seinen letzten Akt schlendert, tritt der Beat bei den meisten Stücken in den Hintergrund, abgesehen vom Klack-Klack der maschinenwerkstattartigen Percussion, die „How the Story Ends“ belebt. Die Stille, die sich in den ersten zwei Dritteln des Albums nach und nach eingeschlichen hatte, dominiert nun. Ein Gefühl der Nachdenklichkeit liegt in der Luft. Doch es scheint nicht die Art von Spannung zu sein, die einer Krise oder Katastrophe vorausgeht. Es ist eher ein Raum, um die Stimmung der Umgebung einzufangen und sich zu zentrieren, bevor man sich vorsichtig, aber mutig weiter vorwärts bewegt.

Ihr ursprünglicher Sound, der in den frühen 90er Jahren entwickelt wurde, stellte das deutsche Pendant zum Seattle-Grunge dar. Mit den Brüdern Markus und Micha Acher weiterhin an der Spitze ist „News from Planet Zombie“ weit entfernt von jenen Tagen, doch dies ist keine zufällige Mutation, sondern lediglich das natürliche Endergebnis einer Entwicklung, die sich organisch, Schritt für Schritt, über die letzten 35 Jahre hinweg vollzogen hat.
The Notwist arbeiten hier mit einer breiten elektroakustischen Palette und beziehen alles ein, von einer Vielzahl von Blechbläsern und Mallet-Percussion bis hin zu Hackbrett, Harmonium und sogar einem japanischen Taishōgoto. Wenn dieses Instrument den Weg durch das elegische Outro von „Snow“ weist, ist das ein perfektes Beispiel dafür, dass die Band stets das ideale Werkzeug für die jeweilige Aufgabe findet, egal wie weit sie dafür suchen muss. Und wenn Cico Beck in „X-Ray“ leicht dissonante Blockflötenlinien spielt, die sich gekonnt gegen das hektische Gitarrengestrummel abheben, lässt sich das Notwist-Talent für nuancierte Arrangements nicht leugnen. Nur „The Turning“ und „Silver Lines“ teilen wirklich die Intensität und das Tempo von „X-Ray“.
Der Großteil von Planet Zombie bewegt sich auf einer deutlich gelasseneren und meditativeren Ebene. Der Eröffnungstrack „Teeth“ gibt den Ton an, wobei Markus kühl über eine gespenstische Klangflut aus Keyboards und Bassklarinette sowie einem ruhig getakteten Conga-Rhythmus singt. Selbst die Gestaltung der Stücke führt einen in unerwartetes Terrain. „Propeller“ klingt zunächst, als sei es Philip Glass aus der Hosentasche gefallen, bevor es sich in ein lebhaftes, an Stereolab erinnerndes Instrumentalstück verwandelt. Ähnlich beginnt „Red Sun“ mit einem imposanten, minimalistischen Bläsermotiv, das sich schnell als beschwingte Untermalung für einen sonnendurchfluteten Pop-Song entpuppt.

© Bandcamp Daily, Album of the Day, 10.3.2026

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