„Bewegung zwischen Extremen“ Die ukrainische Komponistin Anna Korsun Von Egbert Hiller
„Ulenflucht“ bezeichnet den Moment, in dem an der Schwelle zur Nacht die Eulen ausfliegen. Ob Anna Korsun dieses idyllische Bild in dem 2016 komponierten Stück schon damals den kriegerischen Zuständen in der Ostukraine gegenüberstellte?
Geboren wurde die Komponistin 1986 in Donezk. Nach ihrem Studium in Kiew ging sie nach Deutschland, heute blickt sie mit Schrecken auf ihre Heimat. Erscheint ihre Musik durch den Krieg heute in neuem Licht? Auch das eine offene Frage. Auf jeden Fall kommen ihre höchst eigensinnigen Werke mehr und mehr im deutschen Musikleben an. Sie bewegen sich zwischen Extremen – zwischen tiefer innerer Einkehr und radikaler Expressivität, zwischen analytischer Klangforschung und spontaner Eingebung. Autor Egbert Hiller betrachtet einige im Deutschlandfunk Kammermusiksaal eingespielte Werke der Komponistin aus heutiger Sicht.
© Deutschlandfunk, Atelier neue Musik, 16.4.2022