„Black Rio“ Von Ademir bis Zeca do Trombone / Erinnerungen an einen brasiliansichen Aufbruch
In den späten 1960er Jahren formierte sich, ausgehend von der armen Zona Norte in Rio de Janeiro nach und nach eine neue musikalische und kulturelle Bewegung in Rio de Janeiro. Von Steffen Irlinger und Tom Noga
Radio DJ´s wie Ademir, Musiker wie Tim Maia und DJ Kollektive wie Clube do Soul nutzten in ihrer Arbeit zwar auch einheimische Einflüsse wie Bossa Nova oder Samba, waren aber vor allem getrieben von ihrer Begeisterung für US-amerikanischen Jazz, Soul und Funk und ihr Interesse an der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.
Sehr bald war die Szene vor allem für die unterprivilegierte Bevölkerung der Zona Norte weit mehr als ein neues Partyphänomen, sie war ein Symbol für den Kampf um eine eigene kulturelle Identität inmitten eines von einer Diktatur umklammerten, extrem in reich und arm segregierten Landes. Vor allem junge, arme BIPoCs hatten hier einen Freiraum gefunden. Sie hatten ihre eigenen Parties, ihre eigene Musik, ihre eigene Mode und den zugehörigen Lifestyle. Die Journalistin Lena Frias prägte dafür in einem Zeitungsartikel 1976 den Namen „Black Rio“. „Black Rio“ war elementar für die Neubewertung der diversen kultureller Traditionen in Brasilien und wirkt bis heute nach – etwa in ihrer Bedeutung bei der Entwicklung des brasilianischen Hip-Hop oder der Baile Funk – Szene. Einige der frühen Crews sind heute noch aktiv.
Zeitzeugen wie Sir Dema oder Don Filo befinden sich in den letzten Jahren im Zentrum einer sich neu formierenden, neu erwachenden Szene im Geiste von „Black Rio“.
Eine Erkundung u.a. mit Zeitzeugen wie Sir Dema (DJ Clube do Soul), Don Filo (DJ Soul Grand Prix), Paulinho Guitarra (Musiker) und Arthur Verocai (Arrangeur und Komponist)
© WDR 3, Open Sounds, 10.4.2021