„Blues ohne Notausgang“ James „Blood“ Ulmer zum 80. Geburtstag
Spitz, scharf, klirrend: Der Gitarrist James „Blood“ Ulmer hat von den Besten gelernt und zwischen Blues und Funk seinen eigenen Stil und Sound entwickelt. Heute wird er achtzig. Von Wolfgang Sandner.
So leicht entrinnt man den Marktgesetzen nicht. Selbst ein Etikett abzulehnen schützt nicht vor Etikettierung. Auch der Gitarrist James „Blood“ Ulmer musste diese Erfahrung machen. Nachdem er mit dem Music Revelation Ensemble 1980 das grandios chaotische Jazzalbum „No Wave“ veröffentlichte, musste er sich gefallen lassen, zur Welle der Nicht-Welle gezählt zu werden, die ein paar Jahre zuvor als ironisch-bissige Gegenbewegung zur musikalisch sanft dahinsäuselnden New Wave entstanden war.
Es hätte schlimmer für ihn kommen können. Denn irgendwie passt die Offenheit der Kennzeichnung doch ganz gut zum stilistischen Sammelsurium, aus dem der immer auch ein wenig wie ein Mystiker aus dem tiefen Süden der Vereinigten Staaten auftretende Musiker sich bedient.
© Frankfurter Allgemeine, Kultur, 2.2.2022