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Bruce Springsteens Jahrhundertalbum „Born to Run“ wird 50 Jahre alt

Wie Bruce Springsteen den American Dream an der Kühlerhaube festmachte. Von Ronald Pohl (Der Standard).

Als er die fertige Acetatpressung seiner Platte zu Sommerende 1975 endlich in Händen hielt, schien Bruce Springsteen keineswegs beglückt, sondern regelrecht bestürzt. Born to Run, das acht Lieder zählende Produkt einer schier unmenschlichen, viele Hundert Nächte langen Plackerei, landete im Hotel-Pool in Kutztown, Pennsylvania. Springsteen, der spätere „Boss“, hatte offenbar genug gehört. Der Klang einer verheißungsvollen Zukunft, kontaminiert mit Chlor.

Es war offensichtlich zu viel von allem für die fremdernannte „Zukunft des Rock ’n‘ Roll“. Die Aufnahmespuren vollgeräumt mit Intros und Outros, mit Piano-Kadenzen, Entrüstungsschreien des Saxofons. Drei Jahre zuvor hatten sie Springsteen, ein schmächtiges Unterschichtkind aus New Jersey, noch hinter „Dylan“ einsortiert, bei den Sängern und Songwritern in den schmalen Hemden und mit den extradicken Reimlexika. Heute, genau ein halbes Jahrhundert später, ist Bruce Springsteen der maßgebliche Vertreter der Popkultur, der dem amtierenden US-Präsidenten, einem notorischen Verräter an den Verheißungen des American Dream, die Stirn bietet.

© Der Standard, Musik, Kultur, 14.8.2025

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