Musiktipps

„Chega De Saudade“ oder Wahre Eleganz drängt sich nie auf

Von Daniel Haaksman (FAZ). Mit diesem Lied verursachte João Gilberto 1958 ein musikalisches Erdbeben, das von Brasilien aus die Bossa-Welle um die Welt schickte: „Chega De Saudade“, komponiert von Antônio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes, ist scheinbar schlicht, dabei hochkomplex.

Selten ist ein kultureller Umbruch so unauffällig gewesen wie jener, den João Gilberto mit der Veröffentlichung von „Chega de Saudade“ einleitete. Ein Mann, eine Akustikgitarre, mit einer Stimme, die so leise war, dass man fast glaubt, er habe aus Rücksicht auf die Nachbarn gesungen. Allerdings entstand daraus ein musikalisches Erdbeben, zwar von der sanften Sorte, aber immerhin eines, das von Rio De Janeiro bis Paris und weiter bis in die akustisch gedämpften Flure der deutschen Jazzseminare vibrierte.

Wie später der Welthit „Girl From Ipanema“ wurde das Lied komponiert von dem Dream-Team bestehend aus Antônio Carlos Jobim, Musik, mit einem Text von Vinícius de Moraes. Als die Version von João Gilberto 1958 bei Odeon Records erschien, dominierte in Rio De Janeiro der (oder auch: die) Samba. Laut, rhythmisch, auf den Hügeln und in den Straßen der Stadt geboren, ein kollektives Phänomen. Indessen begann in den Bars von Copacabana und den Wohnzimmern von Ipanema die Moderne an der Oberfläche zu kratzen und das Verlangen wuchs nach etwas anderem, nach einer neuen Musik, die leiser und reflektierter war, intimer.

© FAZ, Feuilleton, 17.1.2026

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