„Clouds sind wie der Kapitalismus: Sie wachsen grenzenlos“
Ein Gespräch mit Aurora Gómez von Carmela Negrete für die Junge Welt. Wir ALLE sind mittlerweile abhängig von großen Rechenzentren. Was das alles aber bedeutet, das wissen wir nicht, das sollten wir aber! Das Wissen von Aurora Gómez öffnet uns die Augen! @radiohoerer
Lärm, Landraub und Wasserknappheit für Meta, X, Tik Tok und Co. Datenzentren haben erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme und die Gesundheit von Menschen. Ein Gespräch mit Aurora Gómez.
Sie sind Psychologin. Wie entstand Ihr Interesse an Rechenzentren und deren Auswirkungen auf die Umwelt?
Ich habe mich schon vor etwa 20 Jahren für Themen wie freie Software und digitale Rechte interessiert. Das war lange eine sehr männlich dominierte Welt, und ich hatte das Gefühl, dass mir da etwas fehlte. Erst als ich auf andere Frauen traf, die über digitale Rechte sprachen, merkte ich: Das interessiert mich mehr als nur Technik und Code. Später kam die ökologische Perspektive hinzu. Wir gründeten das Kollektiv »Tu nube mata mi río« (auf deutsch: Deine Cloud tötet meinen Fluss), als wir bemerkten, dass in Talavera de la Reina in Kastilien-La Mancha ein großes Rechenzentrum gebaut werden sollte – mitten in einer Region, in der Wasser ohnehin knapp ist. Wir suchten Informationen über den Wasserverbrauch solcher Zentren, fanden aber fast nichts. Das Thema berührte mich persönlich: In meinem Dorf war Land für den Bau eines Flughafens enteignet worden. Die Menschen wurden mit entwerteten Häusern zurückgelassen – diese Erfahrung ließ mich verstehen, was es bedeutet, wenn große Konzerne plötzlich in Regionen eingreifen.
© Junge Welt, Wochenendbeilage, 21.6.2025