Co Release Tipp: Luigi Archetti – Lava / Karluk, Zürich

Luigi Archetti hat mir sein neustes Werk „Lava“ zugeschickt und um ein Review gebeten. So weit, so gut. Allerdings ist dieses Werk nicht so leicht zu fassen oder besser gesagt. Ich finde keinen richtigen Zugang zu dieser großartigen Musik. Auf dem „NEUGUITARS“ Blog von Andrea Aguzzi habe ich einen Text gefunden, der dieser Musik gerecht werden kann und mit der Erlaubnis von Andrea kann ich seinen Text hier verwenden.

Bevor ich Euch also mit meinem Gestammel langweile, werde ich hier auf dieses Review verweisen. Teile davon habe ich mittels Deepl übersetzt und somit haben auch jene eine Chance dieses Review zu lesen, die kein Englisch können. Meinen Respekt an Andrea Aguzzi, der hier wirklich Formulierungen gefunden hat, die dieser Musik in einer Weise gerecht werden, die verständlich sind. Toller Text.


Luigi Archettis jüngste Doppel-CD „Lava“ scheint sich in ganz andere Richtungen als die oben genannten zu bewegen und bietet vielfältige Interpretationsansätze. Luigi Archetti, geboren 1955 in Italien, aber aufgewachsen in der Schweiz (seit 1965), ist ein Künstler, der sich auf Grenzmusik spezialisiert hat, die an Ambient, Droning und mikrotonale Musik grenzt. Dieses neueste Werk besteht aus 25 Tracks, 25 Audiofragmenten, die durch die Manipulation des Klangs verschiedener Gitarren entstanden sind. Ich habe die Rolle von Fragmenten schon immer sehr interessant gefunden. Wie fotografische Splitter zeigen sie uns einen Weg, eine Gesamtheit zu erfassen, eine umfassendere und komplexere Vision, die in den Fragmenten selbst und in den Räumen, die sie umgeben und verbinden, verborgen bleibt. In diesem Fall wird es notwendig, mithilfe von Metaphern über Stil zu sprechen, wobei die Fragmente selbst zu Metaphern werden. Archetti macht davon einen sehr intelligenten und subtilen Gebrauch, denn das Hören eines Fragments setzt eine Fülle von Kenntnissen und Erfahrungen voraus, die dem Autor nicht bekannt sind und die es dem Hörer erlauben, sich seine eigene Vision zu schaffen, subtile unterschwellige Winke, die in schwer vorhersehbare Bahnen und Richtungen lenken. Eine dekadente Haltung in dem Sinne, dass alles, was hinter einem liegt, es einem erlaubt, durch Andeutungen und Kommentare weiterzugehen, ohne explizit sein zu müssen. © Text: Andrea Aguzzi


Luigi Archetti

Auf eine ebenso dekadente wie hinterhältige Weise bin auch ich darauf hereingefallen, habe mich stillschweigend entschlossen, das Spiel mitzuspielen. Es genügte mir die Vermutung, dass diese Klänge vielleicht von einer Gitarre erzeugt worden sein könnten, und ich hörte weiter zu, verband mich, multiplizierte. Denn die erste Trennung von Klang und Musik, die Sound Art vornimmt, kann dazu führen, dass jemand vom Klang einer Gitarrensaite in den Bann gezogen wird und sich völlig zufriedengibt. Andere haben vielleicht das Bedürfnis, diese Saite wieder auf ein Instrument zu legen und sie in eine Art Konstellation zu bringen, die Klänge im Raum ordnet. Wenn diese Saite, dieser Akkord, eine entsprechende Anziehungskraft ausübt, kann dies einem geübten Geist suggerieren, dass der Klang mit dem Instrument verheiratet ist und was dies in einem breiteren sozialen Sinn bedeutet. © Text: Andrea Aguzzi

Es ist durchaus möglich, dass die Abwesenheit des Gitarreninstruments, oder genauer gesagt des Gitarrenklangs, dazu führt, darüber zu fantasieren, dass Klänge ein Eigenleben haben und ob sie sich verlieren, wenn sie weggehen. Dies führt gewöhnlich dazu, nach einem Klang zu suchen, der kein Klang ist, der in seiner Unbeständigkeit alle Klänge impliziert; das Universum von Borges, in dem wir alle angefangen haben. Es hängt alles von seinem Schöpfer ab, von seiner semantischen Fähigkeit und von uns Zuhörern, unserer Fähigkeit, uns darauf einzulassen, denn wenn man den Klang betrachtet, fragt man sich vielleicht, ob es ein Klang oder Kunst ist, und kehrt immer wieder genau zum Ausgangspunkt zurück. © Text: Andrea Aguzzi


Es kommt zu dem Punkt, von dem ich immer wieder spreche. Sich auf eine Musik einlassen. Ihr Zeit geben und sie auf sich wirken zu lassen. Die Musik von Luigi kann man nur so erfahren. Ein kurzes hineinhören öffnet einem den Reichtum dieser Musik nicht. Findet die Zeit für diese Musik und mit etwas Geduld …


Ich möchte mich hier nochmal herzlich bei Andrea Aguzzi bedanken, der mir seinen Text zur Verfügung stellt. Und für aller Freunde der Gitarre und Musik von Frank Zappa, aber auch Thurston Moore, Manuel Mota oder Luca Perciballi, die er hier finden wird sowie neue Veröffentlichungen.


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