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„Das Dröhnen der heiligen Stimme“ Eine Lange Nacht über Arnold Schönberg. Von Egbert Hiller

Das Menschliche und das Schöpferische sind bei Arnold Schönberg zutiefst miteinander verbunden. Er spürte den Atem der Geschichte und die Geschichte der Musik beeinflusste er wie wenig andere. In seinen Werken spiegelt er Phänomene, Widersprüche und Schrecken seiner Zeit wider.

Am 13. September 1874 wird Arnold Schönberg in Wien geboren. Sein Vater ist Schuhmacher. Erste musikalische Erfahrungen und Kompositionsversuche datiert Schönberg im Rückblick selbst auf die frühen 1880er-Jahre:„Ich habe mit acht Jahren angefangen, Geige zu lernen, und fast zur gleichen Zeit habe ich zum ersten Mal komponiert. Alle Kompositionen, die ich vor meinem siebzehnten Jahr geschrieben habe, sind nichts als Imitationen solcher Musik, die mir zugänglich war. Die einzigen Quellen waren Violinduette und Arrangements von Opernpotpourris für zwei Violinen, wozu noch die Musik gerechnet werden darf, die ich durch die Militärkapellen kennenlernen konnte, die in öffentlichen Gärten Konzerte gaben.“

In einer Kritik der Uraufführung seiner sinfonischen Dichtung „Pelleas und Melisande“, seiner ersten abgeschlossene Orchesterkomposition, heißt es:„Es ist das stärkste Stück, welches in letzter Zeit wider die Musik ausgespielt wurde. Aus den Tiefen der Holzbläser kriecht ein wurmartiges unbedeutendes Motiv, windet und krümmt sich, versucht zu wachsen und fällt wieder zurück. Damit ist der thematische Inhalt des „Werkes“ schon erschöpft und nun beginnt ein betäubender Lärm, ein sinnloses Toben aller Instrumente. Die Gesetze der musikalischen Logik sind gelöst, Melodie und Harmonisierung in Stücke geschlagen, und aus dem entfesselten Orchester dringt ein bald erstarkendes, bald abnehmendes Geräusch von unartikulierten Lauten, deren Dissonanzen die kühnsten Erwartungen übertreffen. Ist es Wahnsinn, hat es doch Methode.“Noch fast 45 Jahre später erinnert er sich an den Wirbel, den „Pelleas und Melisande“ verursacht hat:Die Uraufführung 1905 in Wien unter meiner eigenen Leitung rief große Unruhe beim Publikum und selbst bei den Kritikern hervor. Die Kritiken waren ungewöhnlich heftig, und einer der Kritiker schlug vor, mich in eine Irrenanstalt zu stecken und Notenpapier außerhalb meiner Reichweite aufzubewahren …“Mit diesen Vorbehalten hat Schönberg oft zu kämpfen.„Neue Musik ist niemals von allem Anfang an schön. Sie wissen, dass nicht nur Mozart, Beethoven und Wagner mit ihren Werken anfangs auf Widerstand stießen, sondern dass auch Verdis „Rigoletto“, Puccinis „Butterfly“ und sogar Rossinis „Barbier von Sevilla“ ausgepfiffen wurden, und dass „Carmen“ durchgefallen ist.“Die meisten seiner Zeitgenossen empfinden auch den Beginn seiner 1906 komponierten Kammersinfonie Nr. 1 nicht als schön, sondern als Provokation. Heute gilt er mit der Reihe aufsteigender Quartintervalle als Hymne und Signal für den Aufbruch in die Neue Musik.


Teil 1:
Teil 2:
Teil 3:

Auf Wunsch ist auch Flac möglich.



© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 22.1.2022

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