„Das haben wir zusammen erfunden“ Kollektives Arbeiten und Ensemblekulturen der Gegenwart
Von Leonie Reineke (DLK). Kollektive Urheberschaft und Musikerfinden als Gruppe: ein Fortschrittsmodell der zeitgenössischen Musik, aber um welchen Preis?
Die Arbeit in einem freien Ensemble für zeitgenössische Musik bedeutet im besten Fall ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit. Schon in den 1960er- und 1970er-Jahren wuchs der Wunsch nach Veränderung in den Organisationsstrukturen von Klangkörpern: Statt strenger Hierarchien und von Institutionen vorgegebener Programme strebten immer mehr Gruppen nach Unabhängigkeit, Basisdemokratie und künstlerischer Autonomie. Der nächste Schritt allerdings scheint noch in den Anfängen zu stecken: Der Übergang zum kollektiven Arbeiten, bei dem die Grenze zwischen Urhebern und Interpreten verschwimmt. Aber bedeuten diese Tendenzen nur Fortschritt? Oder geht mit der Emanzipation von traditionellen disziplinären Trennungen auch ein Verlust von Spezialwissen und künstlerischem Differenzierungsvermögen einher?
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 14.7.2026 (Wdh. v. 18.04.2023)