„Der bezaubernde Herr Krähe in: Flügel zu vermieten“ Von Ulf Stolterfoht und Thomas Weber

„Wo würdest du denn hingehen, Krähe, wärst du ein großes, böses Tier? In den hässlichen Wald hinter der Küche? Krähe nahm seinen Stock und ging, die Stoffserviette feste um den Hals gebunden. Danach hat Krähe kein Christenmensch mehr gesehen. Ist so!“

Mit diesen Worten stahl sich unser Held im Frühjahr 2021 davon, und wenn wir ehrlich sind, fühlte es sich an wie ein Abschied für immer. Doch kaum waren die Tränen getrocknet, mehrten sich schon bald die Anzeichen dafür, dass das alles so endgültig womöglich gar nicht gewesen war.

Eine Höhle mit einem zur Seite gerollten Stein, allerorten Gewölle und Speiballen, eine Spur aus schwarzen Federn, die genau Richtung Hauptstadt wies, eine seltsame Alte, die sich „Tante Krähe“ nannte und manches andere mehr – alles ein bisschen seltsam, ein bisschen sehr seltsam sogar!

Was immerhin klar sein sollte: Krähe ist kein junger Werther, kein Fräulein Else und auch kein Alfons Zitterbuxe! Krähe ist so hart, da fährt die Eisenbahn drüber! Und wenn ihn wirklich mal der große Hammer trifft und niederstreckt, dann rappelt er sich auf, meek-meek, und weiter gehts, neuen, erstaunlichen Prüfungen entgegen.

So landet Krähe, nach einem kurzen Zwischenspiel im Berlin der Zwischenkriegszeit, in Hollywood, spannt erst mal aus und lässt am Pool die Seele baumeln, dazu erklingen wunderschöne Westcoast-Melodien (mit David Crosby vergisst er seinen Namen, mit Judee Sill kostet er Hustensaft und mit Terry Melcher geht er surfen in der Half Moon Bay), bevor er richtig einsteigt ins Filmgeschäft und uns, wie nebenbei, in die Grundlagen seiner Ästhetik einführt.

Unterlegt ist das Ganze mit einer Tonspur, vom Kammerflimmer Kollektief exklusiv für diesen Anlass erstellt, mit Verweisen auf John Fahey, Jerry Garcia, Roscoe Holcomb und Patti Page, sowie einen ganzen Haufen irrer Westcoast-Hippies, die in der Nähe des Amargosa Range rumhängen und dune buggies fahren.

Manchmal ist es einfach schön, bei der Hand genommen zu werden und dies und das erklärt zu bekommen. Und wenn dann schließlich Krähes Schicksalslied erklingt und wir uns erheben, um auf den Aus-Knopf unseres Empfängers zu drücken, sind wir vielleicht keine besseren Menschen geworden, aber uns wurde ganz sanft, ganz unaufdringlich ein Weg gewiesen. Und ein Zurück kommt nun tatsächlich nicht mehr in Frage. Danke, Krähe!



Der bezaubernde Herr Krähe in: Flügel zu vermieten

Mit: Lilith Stangenberg und Sebastian Zimmler
Komposition: Thomas Weber
Musik: Kammerflimmer Kollektief
Regie: Iris Drögekamp und Thomas Weber
(Produktion: SWR 2022)

© SWR 2, ars acustica,  18.6.2022

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: