Der Musiker Heinali über den Krieg gegen die Ukraine und sein Musikprojekt „Hildegard“
Von Jens Uthoff (JungleWorld). Der Musikproduzent Oleh Shpudeiko, vor allem bekannt unter seinem Künstlernamen Heinali, stammt aus der Ukraine. Mit der Sängerin Andriana-Yaroslava Saienko führt er nun mittelalterliche Stücke auf, um mit diesen die politische Gegenwart, nämlich den russischen Überfall auf die Ukraine, zu reflektieren.
Oleh Shpudeiko dreht den Regler etwas auf, zupft an den bunten Kabeln seines modularen Synthesizers. Es ertönen langgezogene, wummernde Töne, ein sonores Rauschen, das schließlich in eine mittelalterliche Melodie übergeht. Der Synthesizer liegt vor ihm auf einem Tisch beim Auftritt im »Silent Green« Ende Januar in Berlin. Ihm gegenüber steht die Sängerin Andriana-Yaroslava „Yasia“ Saienko, sie singt im Sopran, variiert mühelos die Stimmlagen; die Intonation erinnert an osteuropäischen, auch an arabischen Gesang, doch die Texte sind auf Latein. Es sind mittelalterliche Gesänge Hildegard von Bingens, die das ukrainische Künstlerduo hier mit Folk-Musik aus ihrem Land verbindet. Wuchtig, tief, fast liturgisch klingt das.
© JungleWorld, Dschungel, 20.2.2025