DerStandard: Als Elvis Presley Richard Nixon traf – Bizarre Weihnachten im Weißen Haus
Der Besuch vor 50 Jahren gilt noch immer als eines der seltsamsten Treffen der Rockgeschichte. Der King bot dem Präsidenten seine Dienste als Drogenermittler an. Ein Bericht von Wolfgang Pollanz.
Am Morgen des 21. Dezember 1970 sprach Elvis Aaron Presley im Weißen Haus in Washington vor. Er übergab den überraschten Sicherheitsbeamten einen sechsseitigen handgeschriebenen Brief an Richard Nixon. Darin erklärte er, der Präsident solle ihn als Sonderermittler des FBI angeloben, er habe beste Beziehung zur Gegenkultur und könne deren Machenschaften und Absichten ausspionieren, er wolle Amerika im Kampf gegen den Drogenmissbrauch dienen, gegen die Hippies, die Studentenorganisation SDS (Students for a Democratic Society), die gegen den Vietnamkrieg protestierte, und vor allem gegen die Black Panther Party, die sich als revolutionäre Bewegung verstand, die für die Rechte der Schwarzen in den USA kämpfte.
Im Zweiten Weltkrieg war Musik, was die Stimmung in der US-Armee betraf, ein wichtiger Katalysator.
Wolfgang Pollanz
Abgesehen davon, dass Presley aus der mittellosen weißen Unterschicht des amerikanischen Südens stammte und der Musik seiner schwarzen Mitbürger mehr als nur Inspiration verdankte, war er zu dieser Zeit auch bereits schwer medikamentenabhängig und starb nur sieben Jahre später an einer Polypragmasie, wie der medizinische Ausdruck für die Einnahme von zu vielen Medikamenten heißt.
© DerStandard, Kultur, 20.12.2020