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Deutschen Hörspielpreises der ARD 2018: „Die Schuhe der Braut“ von Magda Woitzuck.

Das Stück erzählt von einem IS-Kämpfer, der in ein Massengrab steigt und als Abtrünniger herauskommt. Er beschließt, über das Meer nach Europa zu flüchten. Woitzuck beschreibt in ihrem Stück in grotesker Weise, wie westliche Ichbezogenheit und die Kriegstraumata des Kämpfers aufeinandertreffen.

 

Begründung der Jury

„Ein Stück, das die Hörenden in ein Loch stürzen lässt – in die bodenlose, ekelerregende Grausamkeit des menschenfressenden Menschen. Das uns konfrontiert mit dem plappernden Ich Europas.

Ein Text, der die Schrecken des Realen überformt und durch seinen grotesken Humor Distanz schafft, indem er ein ästhetisches Spannungsverhältnis zu einer oberflächlichen Betroffenheit herstellt.

Das Werk reißt Leerstellen zwischen poetischer Suggestion, Entsetzen und Ergriffenheit auf. In diesen erkennen wir die großen Herausforderungen im Umgang mit Tätern, die sich  unfassbarer Verbrechen an der Menschlichkeit schuldig gemacht haben.

Die subtil gesetzte Langsamkeit der Inszenierung wie auch die klangliche Gestaltung, die zwischen klaustrophobischer Abgeschlossenheit und ironischen Wohlfühlklängen oszilliert, unterstreichen die befremdende Wirkung dieses gleichermaßen alptraumhaften wie faszinierenden Hörspiels.

Ein Stück, das uns nahezu körperlich angreift.

Der deutsche Hörspielpreis der ARD geht an „Die Schuhe der Braut“ von Magda Woitzuck. Musik: Peter Kaizar. Regie: Peter Kaizar und Philip Scheiner. Dramaturgie: Elisabeth Zimmermann Produktion: Österreichischer Rundfunk.“

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© SWR 2, 11.11.2018

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