Die britische Band Sault: „Täuschen, tarnen, tanzen“

Seit 2019 veröffentlicht Sault Alben, doch niemand weiß, wer Sault ist. Anlässlich des jüngsten Werks „Nine“ – das Porträt einer unbekannten Größe. Von Karl Fluch.

Die Stimmung kippt schnell. Heißt der Opener noch schlicht Haha und entspricht der Titelgebung mit Gelächter, geht es nach einer Minute direkt in den ersten richtigen Song und damit gewissermaßen in den Straßenkampf. London Gangs heißt der und wird von einer grimmigen Bassline und tribalistischen Rhythmen angeschoben. Damit ist Nine angekommen. Nine heißt das fünfte Album der britischen Band Sault seit ihrem Auftauchen 2019. In der Zeit hat sie mit ihrem Output für Furore gesorgt, Nine, das nun physisch vorliegt, wird diesen Ruf weiter festigen.

Über Sault ist wenig bekannt, sie gilt als anonyme Band. Die Behauptung hält zwar nicht, schließlich wird ein gewisser Dean Wynton Josiah Cover als Mastermind genannt. Wobei: Gesichert ist das nicht, selbst britische Medien verwenden den Namen mit Fragezeichen versehen. Schließlich deutet der Nachname „Cover“ darauf hin, dass es sich dabei bloß um einen gestreuten Decknamen handeln könnte. Aber verwenden wir ihn einmal mangels gesicherter Information.

Daft Punk und Kiss

Des Weiteren taucht dieser Dean Wynton Josiah Cover mit dem Nom de Guerre „Inflo“ als Produzent für den britischen Soulstar Michael Kiwanuka auf. Den vom Wesen her eher zurückhaltenden Kiwanuka soll er dazu überredet haben, sich in seinen Musikvideos selbst zu zeigen, das würde sein Publikum besser an ihn binden, empfahl ausgerechnet er. Das alles weist darauf hin, dass Sault ein strategisches Spiel mit ihrer relativen Anonymität treibt. Neu ist das nicht, aber es wirkt.



© Der Standard, Kultur, 6.10.2021

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