„Die Lottonormalverbraucher“ Wie die staatliche Lotterie unsere Gesellschaft prägt

Jeder kann im Lotto gewinnen. Nur eben nicht alle. De facto: fast niemand. Diesem Lotto-Paradox zum Trotz schürt das Zahlenglücksspiel hierzulande seit über 75 Jahren die Vorstellung vom großen Glück. Von Benedikt Mahler und Maximilian Sippenauer.

Denn klar, mit sechs Richtigen ist alles möglich. Diese unwahrscheinliche Hoffnung auf ein besseres Leben organisiert der Staat – und verdient daran nicht schlecht. Er tritt über das Spiel aber auch in Dialog mit seinen Bürgern. Nur, was will er uns damit sagen? Dieser Frage geht die Sendung nach.

Das Feature „Lottonormalverbraucher“ beleuchtet die Staatslotterie aus soziologischer und ästhetischer Perspektive. Wie würde Deutschland ohne Lotto aussehen? Wer spielt und vor allem, wie tun er oder sie das? Und was, wenn man entgegen aller Wahrscheinlichkeit gewinnt? Lottofee Franziska Reichenbacher erzählt über Lotto-Rituale und die Herausforderung, neben einer Lostrommel zu moderieren und Schriftsteller Heinz Strunk differenziert zwischen biederer Samstagsziehung und dem anarchischen Zocken in den Spielhöllen. Natürlich geht es auch um die Kunst des Ankreuzens selbst – jener magische Moment aus moderner Kabbalistik, Aberglaube und stochastischem an-der-Allgemeinheit-vorbei-tippen.

Doch dem Lotto droht Gefahr! Für die Fernsehunterhaltung ist die Ziehung nicht mehr rasant genug. Und viele wechseln auf Lotto-Alternativen im Netz. Ein gewaltiges Problem, auch für alle Nichtspieler. Denn bei allem Anachronismus und allen Bedenken: Die Lottoziehung ist ein großer Taktgeber in der Geschichte der Bundesrepublik und eine Erzählung, die Zusammenhalt stiftet: Sie ist das Prinzip Hoffnung. Schließlich könnten sie ja auch auf Sie warten, die verheißungsvollen sechs Kugeln in der bauchigen Lostrommel des Lebens.



© Bayern2, Nachtstudio, 19.4.2022

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