„Die Prometheus-Protokolle“ von Thomas Feuerstein

Das Hörspiel erzählt eine Geschichte zwischen Science-Fiction und Horror, Utopie und Dystopie. Die Erzählung führt in die Tiefen eines neuen Materialismus, bei dem der Mensch, sein Körper und Gewebe einer radikalen Nachhaltigkeit unterworfen werden.

Der Mensch wird zum Homöostat, der sich ausschließlich aus sich selbst ernährt und alle Güter des täglichen Gebrauchs wie Textilien, Möbel und Werkzeuge aus eigenen Körperzellen biotechnologisch züchtet. Nicht das Amoralische oder ein dunkles Böses begründen den Kannibalismus, sondern das Handlungsprinzip einer autoökologischen Ressourcennutzung.

Die Geschichte halluziniert eine Gesellschaft sich selbst verzehrender Individuen, die autark sich selbst genügen. In der Kultur des Ouroboros, in der sich jeder selbst verschlingt, verschiebt sich der Narzissmus aus der Psyche in die zelluläre Materialität des Körpers. Ouroboroi heißen ab nun Individuen, außerhalb derer nichts existiert. Sie benötigen keine Tiere und Pflanzen zur Ernährung und folgen einem Selbstkult als vollkommenste aller Existenzweisen. Anthropophagie steht nicht länger für das Wilde, Unzivilisierte und Vormoderne. Sie wird zum ethischen Imperativ des Humanen, mit dem Ziel einen paradiesischen, in sich selbst ruhenden Zustand zu zelebrieren.



„Die Prometheus-Protokolle“ von Thomas Feuerstein
Sound und Komposition: Peter Szely

Regie: Nehle Dick,

Mit: Ildiko Babos, Haymon Maria Buttinger, Swintha Gersthofer, Christian Reiner

© Ö1, Radiokunst – Kunstradio, 5.9.2021

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