Die Radiotipps für den 29.3.2025
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht
„Traum im Frühling“ Eine Lange Nacht für die norwegische Literatur
Moderation: Katharina Teutsch und Thomas Böhm
Gäste: Vigdis Hjorth, Matias Faldbakken, Trude Teige, Erik Fosnes Hansen, Kjersti Anfinnsen und Tomas Espedal
Lesung der deutschen Texte: Joachim Król
Aufzeichnung vom 26.03.2025 im Literaturhaus Leipzig
Als ernst und eigenwillig wird norwegische Literatur gern etikettiert, als tiefschürfend und charakterstark, als unbestechlich, aber auch knorrig. Ist sie das oder handelt es sich dabei um eine Projektion aus dem Süden, bei der Klischees von langen Wintern und einer lebendigen Märchenwelt mit Trollen und Geistern Pate standen? Vielfältig ist norwegische Literatur auf jeden Fall und populär in Deutschland. So ermöglicht der „Traum im Frühling“, so das Motto des norwegischen Auftrittes als Gastland bei der Leipziger Buchmesse, ein Wiedersehen mit gut bekannten Autorinnen und Autoren – und auch die „Lange Nacht“.
18:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature
Wirklichkeit im Radio: „So long good-bye“ Von Harun Farocki
Regie: Harun Farocki. WDR 1978
Berlin 1978: in den Hansa-Tonstudios wird eine Disco-Single produziert. Dokumentarfilmer Harun Farocki, damals für kurze Zeit im Radio tätig, ist von Anfang bis Ende dabei und seziert den Aufnahmeprozess mit kapitalismuskritischem Besteck.
Anschließend: Gespräch zu „So long good-bye“
Ingo Kottkamp im Gespräch mit Harun Farocki DKultur 2010
In den Hansa-Studios in Berlin wird im April 1977 in 18 Stunden eine Disco-Single von drei Minuten Länge produziert. Harun Farocki hat die Produktion von Anfang bis Ende aufgezeichnet: Die Studiomusiker spielen die Noten prima vista, die aus New York eingekaufte Sängerin hat leider nicht die Stimme, Rhythmusgruppe und Chor sind unterbesetzt. Aber all das kann eine mit einer 24-Spur-Maschine gerüstete Produzententruppe nicht schockieren. Beinahe als Livereportage und zugleich mit kapitalismuskritischem Besteck seziert Farocki eine Produktion der Musikindustrie.
18:20 Uhr SWR Kultur Jazz
„Heiße Walzer – Die Entdeckung des Dreivierteltakts im Jazz“ Von Odilo Clausnitzer
Im Jazz liegt die Betonung auf dem zweiten und vierten Taktschlag – eine grobe Binsenweisheit. Aber was, wenn der Takt nur drei Schläge hat? Es hat eine Weile gedauert, bis Jazzmusiker eine Möglichkeit gefunden haben, trotzdem zu swingen. Als frühester Jazz-Walzer der Plattengeschichte gilt Benny Carters „Waltzing The Blues“ von 1936. Aber erst, nachdem Schlagzeuger Max Roach 1957 ein ganzes Album im Dreivierteltakt veröffentlicht hat, war der Bann für das selbstverständliche Improvisieren im ungeraden Metrum gebrochen. Bekanntestes Stück darauf: Sonny Rollins‘ „Valse Hot“.
19:00 Uhr Bremen 2 Sounds
Simin Tander ist eine der renommiertesten Jazzsängerinnen in Deutschland. 2016 erhielt sie für ihr ECM-Album mit dem Pianisten Tord Gustavsen den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Letztes Jahr wurde sie für den Deutschen Jazzpreis 2024 nominiert. Außerdem: Die handverlesene Musikauswahl am Abend. Unsere Entdeckungen aus Pop, Indie-Pop, Singer/Songwriter und Americana.
19:00 Uhr HR 2 Live Jazz
Julie Campiche Quartet | Cully Jazz Festival 2024
19:04 Uhr WDR 3 Hörspiel – Kunstpalast
„Chinchilla Arschloch, waswas“ Von Helgard Haug und Thilo Guschas
Regie: Helgard Haug Produktion: WDR 2018
19:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur 1001 Nacht
„Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang“ Eine ganze Nacht mit der berühmten Geschichtensammlung „Tausendundeine Nacht“
Moderation: Massimo Maio
Zwischen 19.05 und 6.55 Uhr senden wir alle Folgen unserer Hörspielserie „1001 Nacht“ sowie die interessantesten Gespräche drum herum.
Schahrasad erzählt um ihr Leben – und wir hören zu. Diese moderne Hörspiel-Adaption des Literaturklassikers „1001 Nacht“ führt uns in 66 Folgen in Paläste und auf Partys, nach Kairo und Bagdad, zu selbstbewussten Frauen und verzauberten Wesen.
19:05 Uhr Bayern 2 Zündfunk Playback
Regionale Bio-Weltraumreisen – fantastische Trips mit DJ Koze. Mit Ralf Summer
Stefan Kozalla ist einer der renommiertesten Musiker aus Deutschland. Nie gehört? Als DJ Koze kennen ihn die Fans, die den Flensburger für seine Mischung aus „Hirn-Hop“, Humor-House und tanzbarem Indie-Pop schätzen. Er begann mit dem HipHop-Projekt Fischmob, startete dann das Electro-Trio International Pony (mit Erobique). Danach ging der Wahl-Hamburger solo: als Adolf Noise (verspulter Ambient) und als DJ Koze (mit Club-Sounds). Im Nachtmix + Zündfunk / Bayern2 belegte er bereits zwei Mal Platz 1 bei den „Alben Des Jahres“ (2013, mit seiner eigenen Platte „Amygdala“ und 2023 als Produzent von Róisín Murphys „Hit Parade“). Anlässlich seines neuen Albums „Music Can Hear Us“ – für das so unterschiedliche Gäste wie Blur / Gorillaz-Sänger Damon Albarn, Arnim Teutoburg-Weiss (Beatsteaks) oder Soap & Skin am Mikro standen, haben wir mit Kosi (so nennt man ihn im englisch-sprachigen Raum) gesprochen. Über seine Kindheit im eher unmusikalischen Elternhaus, den beiden Bands („am Ende stellst du fest: Menschen nerven – und du wirst Distanz-süchtig“) und Remixen („weniger ist mehr, Gummi geben kann jeder“). Und stellen seine Musik vor. Ziel des humorvollen Pranksters: regionale Bio-Weltraumreisen – ohne sich zu bewegen – im Kopf.
20:00 Uhr ARD Radio Kulturnacht
„Unter Büchern“ zur Leipziger Buchmesse
Drei Stunden neue Literatur, von der Leipziger Buchmesse: mit Christine Koschmider, Annett Gröschner, Dimitrij Kapitelman, Luisa Neubauer und anderen Gästen. Moderation: Carsten Tesch und Katrin Schumacher (MDR).
20:05 Uhr Deutschlandfunk Studio LCB
Aus dem Literarischen Colloquium Berlin Gast: Feridun Zaimoglu
Gesprächspartner: Marianna Lieder, Ulrich Gutmair
Moderation: Tobias Lehmkuhl
Feridun Zaimoglu ist ein Schriftsteller, der sich mit jedem Werk neu erfindet, der mit jedem Roman eine neue Sprache und eine neue Form erschafft und mit stets neuen Themen überrascht. Auch mit seinem aktuellen Buch „Sohn ohne Vater“ bricht er in unbekanntes Terrain auf: Mit einigen Freunden fährt der Erzähler im Wohnwagen von Kiel über Linz und Szeged bis Edirne, um dort den Vater zu bestatten. Eine Fahrt durch das Europa der Gegenwart und eine Reise zugleich durch Erinnerungen an einen Mann, der als Akkordarbeiter geschuftet und mit seinen gefärbten Koteletten noch im Alter für Aufsehen gesorgt hat. Ein Buch des Abschieds und der Ankunft. Über „Sohn ohne Vater“ und über sein bisheriges Schaffen sprechen mit Feridun Zaimoglu an diesem Abend die Kritikerin Marianna Lieder und der Autor Ulrich Gutmair.
22:00 Uhr Bremen 2 Sounds in concert
„Keith Jarrett“ Mittschnitt vom 2. Februar 1975, Sendesaal, Bremen
Sein Sendesaal-Konzert von 1973 ist zusammen mit Aufnahmen aus Lausanne Jarretts erste Soloklavierveröffentlichung beim Label ECM. Aber zurück ins Jahr 1975 und damit auch zurück nach Bremen. Gut eine Woche nach dem Auftritt in der Kölner Oper, der weltberühmt werden sollte, kam Jarrett wieder nach Bremen, um solo in der Glocke aufzutreten. Auch hier ist sein Spiel geprägt von seinen repetitiven, rhythmisch geprägten Mustern in der linken Hand, während die Rechte über die hohen Lage perlte. Etwas mehr als 50 Jahre später holen wir dieses Konzert noch einmal aus dem Archiv.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Atelier neuer Musik
„Modern wider Willen“ Der dänische Komponist Rued Langgaard. Von Ingo Dorfmüller
Ekstatisch wirkt die mystische Religiosität, die viele seiner Werke prägt. Sie manifestiert sich in Kompositionen von gigantischem Ausmaß und mit riesiger Besetzung. Ekstatisch ebenso scheinen die musikalischen Extreme – zwischen Katastrophe und Transzendenz, von beinah naiver Idyllik bis zur kakophonen Höllenfahrt. György Ligeti, der Langgaards 1913 entstandene „Musik der Sphären“ 1968 kennenlernte, bemerkte verblüfft: „Er hat Klänge, als wären sie in den 1960er-Jahren geschrieben. Er bedient sich der Cluster-Technik – eine Art aleatorische Musik von heute.“ Der dänische Komponist Rued Langgaard (1893-1952) litt indes zeitlebens unter dem Unverständnis seiner Zeitgenossen. Seit 2000 werden seine Werke mit wachsendem Erfolg wiederentdeckt.
23:00 Uhr radio 3 The Voice
Der Sound Des Erlend Øye
Der norwegische Kultmusiker hat mal in Berlin gewohnt, reiste um die Welt und ist jetzt – erstmal – in Italien gelandet. Dort hat er mit drei lokalen Musikern die Band La Comitiva gegründet. Davor hat er mit den Kings of Convenience folkige Songs gespielt, mit seinem Projekt The Whitest Boy Alive hat er Gitarrenmusik mit clubbigen Sounds vermischt. Wir erkunden heute all die Sounds, die in seiner Welt entstanden sind.
23:00 Uhr HR 2 The Artists Corner
„Kennen Sie Musik, die man nur am Lautsprecher hören kann?“ Teil 12/13 – Studio in Köln (WDR)
Elektronische Musik aus Studios in aller Welt vorgestellt von Karlheinz Stockhausen
23:03 Uhr WDR 3 Studio Akustische Kunst
Iain Chambers: Secrets of Orford Ness + The Secrets of Orford Ness
Das abgelegene Orford Ness an Englands Ostküste erinnert an postapokalyptische Filmlandschaften. Die Natur erobert sich den Ort zurück, an dem einst Radartechnologie und Atomwaffen entwickelt wurden. 1993 kaufte der britische National Trust dieses einstige TOP SECRET Gelände und begann, Geschichten der Wissenschaftler, Militärangehörigen und Einheimischen aufzuzeichnen. Wie die von Roy Dommett, dem „Chief Missile Scientist”. Fragmente seiner Oral History verflechtet Chambers mit Field Recordings der renaturierten Landschaft und Musique Concrète-Kompositionen zur Physik und Ethik der Atomwaffen.
23:03 – 02:00 Uhr SWR Kultur Ohne Limit Zum 130. Geburtstag von Ernst Jünger
„Auf den Marmorklippen“ Hörspiel von Ernst Jünger
Musik: Steffen Schleiermacher Hörspielbearbeitung und Regie: Ulrich Lampen
(Produktion: SWR 2025 – Premiere)
anschließend ca. 1.05 Uhr: „Jüngers Marmorklippen“
Essay über Ernst Jüngers Roman „Auf den Marmorklippen“ von Frank Hertweck
anschließend ca. 1.25 Uhr: Musik aus der „Freak Show“ der amerikanischen Pop- und Underground-Band „The Residents“
23:05 Uhr Deutschlandfunk Lange Nacht
„Traum im Frühling“ Eine Lange Nacht für die norwegische Literatur
Moderation: Katharina Teutsch und Thomas Böhm
Gäste: Vigdis Hjorth, Matias Faldbakken, Trude Teige, Erik Fosnes Hansen, Kjersti Anfinnsen und Tomas Espedal
Lesung der deutschen Texte: Joachim Król
Aufzeichnung vom 26.03.2025 im Literaturhaus Leipzig
Als ernst und eigenwillig wird norwegische Literatur gern etikettiert, als tiefschürfend und charakterstark, als unbestechlich, aber auch knorrig. Ist sie das oder handelt es sich dabei um eine Projektion aus dem Süden, bei der Klischees von langen Wintern und einer lebendigen Märchenwelt mit Trollen und Geistern Pate standen? Vielfältig ist norwegische Literatur auf jeden Fall und populär in Deutschland. So ermöglicht der „Traum im Frühling“, so das Motto des norwegischen Auftrittes als Gastland bei der Leipziger Buchmesse, ein Wiedersehen mit gut bekannten Autorinnen und Autoren – und auch die „Lange Nacht“.