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„Die Scheintoten“ Hörspiel nach dem gleichnamigen Theaterstück von Hermann Burger / Auf Wunsch wieder online

Das Hotel „Zur kalten Herberge“ liegt unter dem Zentralfriedhof und ist eine Mischung aus Metro-Station, Stundenhotel und Klinik. Die Gräber sind durch ein Achterbahnschienensystem mit einem Mundloch verbunden, durch welches die Scheintoten in diese Unterwelt gelangen. Sie werden von Primarius Schrempf und seiner Assistenzärztin Melitta, der heimlichen Herrscherin, reanimiert und final einquartiert.

Alle Gäste haben das Leben hinter sich und das Scheintoten-Schicksal in sich und vor sich. Wen wundert es, dass sie in dieser tiefschwarzen Groteske ihr altes Leben versuchen weiterzuleben: der Pfarrer, der Ferrari-Pilot, der Klaviervirtuose, der Zauberer. Auch der neu eingetroffene Schriftsteller Stocker, der gerade einen dilettantischen Selbstmord begangen hat. Er wird in seiner Depressionskarriere nicht unbedingt hier vom Wege abweichen.

„Die Scheintoten“ Hörspiel nach dem gleichnamigen Theaterstück von Hermann Burger

Mit: Michael Maasen, Rosalinde Renn, Barbara Falter, André Jung u. a.
Musik: Emil Moser
Hörspielbearbeitung und Regie: Fritz Zaugg
(Produktion: SRF 1995)

Hermann Burger, geboren 1942 in der Schweiz, gestorben 1989, entstammte einer wohlhabenden Familie einer Tabak-Dynastie. Als Erzähler machte er sich einen Namen u. a. mit „Diabelli“ (1979), „Blankenburg“ (1986). Sein „tractatus logico-suicidalis“ (1988), eine rigoros-artifizielle Auseinandersetzung mit der Selbsttötung, liest sich wie ein Kommentar auf seinen freiwilligen Tod. „Die Scheintoten“ schrieb er als Auftragsarbeit des Zürcher Schauspielhauses 1987.

© SWR 2, Hörspiel, 19.4.2018

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