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„Eigentumsverhältnisse“ Wem gehört die Musik? Von Florian Neuner

Mit der Infragestellung der Autorschaft haben die Avantgarden des 20. Jahrhunderts auch zum Frontalangriff auf das Urheberrecht geblasen. Durch die digitale Verfügbarkeit von Text, Bild und Musik gewinnt die Frage nach dem Copyright neue Brisanz.

Dass Musik aus Musik entsteht, ist für Musikwissenschaftler eine Binsenweisheit und hat eigentlich immer gegolten. Unser heutiges Verständnis von geistigem Eigentum wurde erst spät, im 18. Jahrhundert, geprägt und wird heute wieder fundamental in Frage gestellt. Denn das unüberschaubare Archiv an Musik aller Stilrichtungen und Epochen aus aller Welt, das im Netz jedem zugänglich ist, der über einen Internetanschluss verfügt, schafft für Komponisten radikal veränderte Produktionsbedingungen.

Die aus „analogen“ Zeiten stammenden Geschäftsmodelle von Verwertungsgesellschaften wie der GEMA werden an den digitalen Medien zuschanden, Alternativen werden gesucht und gefunden. Wo die großen Medienkonzerne sich als schwerfällig erweisen, reagieren Künstler schneller.

Die Eigentumsfrage im World Wide Web

Die jüngere Komponistengeneration agiert verstärkt im Netz, baut neue Distributionsmodelle jenseits der etablierten Musikverlage auf und setzt sich auch kompositorisch mit den neuen Verhältnissen auseinander, reflektiert die neuen Produktionsbedingungen im Zeichen des World Wide Web. Das hat auch zu einer neuen Politisierung der Musikszene geführt: Technische Fragen erweisen sich schnell als politische, schließlich muss die Eigentumsfrage musikalisch neu gestellt werden.

© Deutschlandfunk, Neue Musik, 9.2.2021

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