„Erste Posaune“ Ed Partyka will das Zurich Jazz Orchestra nicht nur leiten, sondern auch kulturpolitisch neu positionieren

Die Leitung einer Big Band lässt sich auch als politischer Auftrag verstehen. In Zürich will der Amerikaner Ed Partyka dem Jazz neue Türen öffnen. Von Florian Bissig.

Die meisten amerikanischen Expats hat es wegen des Berufs oder der Liebe nach Europa verschlagen. Bei Ed Partyka war es die Bassposaune. 1990 kam er als 22-Jähriger nach Köln, um sich auf dem ungewöhnlichen Instrument weiterzubilden. Bloss für eine kurze Zeit, dachte er sich damals. Unterdessen sind dreissig Jahre verstrichen, und der Musiker lebt immer noch in Europa. Künftig wird er regelmässig auch in Zürich anzutreffen sein. Dieser Tage tritt er seine Stelle als neuer musikalischer Leiter des Zurich Jazz Orchestra (ZJO) an – als erster Amerikaner seit der Gründung des Ensembles im Jahr 1995.

Inmitten der Band

Ed Partyka spricht ein gepflegtes Hochdeutsch mit amerikanischem Akzent. «Europa hat einfach gepasst.» Er fühle sich hier zu Hause, sagt er. Wobei «hier» neben seinem gegenwärtigen Wohnort Graz etwa auch Helsinki meint, wo er ebenfalls ein Jazz-Orchester leitet, oder Luzern, wo er seit rund zehn Jahren Komposition und Arrangement unterrichtet. In Chicago aufgewachsen, studierte er in Deutschland bei den berühmten Jazzposaunisten Bob Brookmeyer und Jiggs Whigham, um sich dann zum Komponisten, Arrangeur und Orchesterleiter zu entwickeln.

Ein Zufall? Es gebe auffällig viele Posaunisten unter den Orchesterleitern, sagt Partyka. Eine These dazu sei, dass das Posaunen-Register in der Mitte des Band-Geschehens stehe und im Bläsersatz für Fülle und Fundament sorge – und dass Posaunisten deswegen einen besonderen Sinn für das Zusammenspiel und das Arrangement hätten.



© NZZ, Feuilleton, 15.9.2021

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