Erzählen bis ans Ende der Nacht – Mathias Énards „Kompass“
Mathias Énards „Kompass“ ist ein literarischer Zwitter: kein herkömmlicher Roman, sondern erzähltes Wissen …
Von Ulrike Janssen und Norbert Wehr
Ein Buch, das die Wechselwirkungen zwischen Okzident und Orient beschwört. Für „Kompass“ erhält Mathias Énard 2017 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.
Redaktion: Imke Wallefeld; Produktion: WDR 2016
Morgen beginnt die LeipzigerBuchmesse, am heutigen Vorabend wird traditionell der Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen, der an diesem Jahr an Mathias Énard und dessen Roman „Kompass“ geht. Zu Recht meinen die Kritiker, denn das Buch sei ein „ein Hohelied auf die Kunst und Kultur der arabischen Welt“, wie etwa Joachim Güntner in der NZZ schwärmt, „ein Buch der Romanzen und der Gelehrsamkeit, das mit verführerischer Sprachkraft daran gemahnt, wie sehr doch einst der Orient den Okzident bezaubert und befruchtet hat.“ Der Roman unternehme „eine Rehabilitation des Orientalismus„, schreibt Ulrich Gutmair in der taz und stimmt tatsächlich mit dem Autor überein, dass es an der Zeit, diese lang verfemte Haltung aus dem Bannfluch der Kritik zu holen: Sie lasse sich immerhin auch „als kulturelles Begehren begreifen, die eigene Beschränktheit hinter sich zu lassen. … die Kritik des Orientalismus krankt an ebenjenem Denken in scharfen Kontrasten, das sie dekonstruieren möchte, sie ist selbst ein dichotomischer Apparat.“ Über diese und ähnliche Fragen unterhält sich Gregor Dotzauer im Tagesspiegel mit dem Preisträger. © Text, Efeu, Perlentaucher, 22.3.2017