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Essay: Eintauchen! – Vom Schwimmen und Schreiben

Von Andrea Gerk (DLF). Kopfüber hineinspringen in eine der rot-weiß markierten, schnurgeraden Bahnen: Einen kräftigen Zug nach dem anderen, wenden und weitergleiten, fast so, als würde die Bahn nie enden. Für manche Menschen ist Schwimmen eine Lebensform.

Wie gleichmäßige Bewegungsabläufe den Kopf frei machen können für frische Gedanken, Einfälle und Gelüste, lässt sich bei kaum etwas so gut erfahren wie beim Bahnen ziehen, über das die ehemalige Olympiaschwimmerin und Künstlerin Leanne Shapton schreibt: „Beim Schwimmen lasse ich die Gedanken schweifen. Ich rede mit mir selbst.“ Derartige Selbstgespräche (im einzigen Element, das uns schweben lässt), pflegen auffallend viele Dichter und Denker: Im Coming-of-Age Roman ist das Freibad ein beliebter Schauplatz, vielleicht, weil jeder sofort die spezielle Mischung aus Chlor, Pommes und Sonnenmilch – und damit den Duft der eigenen Jugend – in der Nase hat. Das verbindet, wie überhaupt das Schwimmbad ein Ort gesellschaftlicher Utopie sein kann und das gilt nicht nur für das von Max Frisch in den 1960er-Jahren entworfene Zürcher Letzibad. Wenn Verlegerlegende Sigfried Unseld jeden Morgen (neben seinem Kollegen KD Wolf) seine Bahnen im Frankfurter Freibad Hausen zog, unterschied er sich in nichts vom Hausmeister des Suhrkamp Verlags, der vielleicht ein paar Meter weiter in den Tag kraulte. Denn in Badeanzug oder -hose sind wir alle gleich.

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 22.2.2026

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