Nachhören

Essay: Soziale Sensibilitäten – Kulturelle Aneignung

Nutzt der Diskurs um kulturelle Aneignungen unserer Gesellschaft? Die Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky findet, dass dadurch zumindest die Fähigkeit der Menschen gestärkt wird, anderen zuzuhören und sich auf fremde Argumente einzulassen. Von Thorsten Jantschek.

Darf man sich als weiße Person eigentlich Dreadlocks machen lassen, weil man sie schön findet? Dürfen Kinder sich als „Indianer“ verkleiden? Oder ist das schon deshalb eine moralisch problematische kulturelle Aneignung, weil die Integrität marginalisierter Gruppen betroffen ist?
Sozial wünschenswerte Sensibilität auf der einen Seite stehen der Einsicht auf der anderen Seite gegenüber, dass Kulturen sich immer und vor allem dann weiterentwickeln, wenn kulturelle Aneignungen geschehen. Im Gespräch mit der Münchner Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky geht es darum, den Stand gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse nachzuzeichnen, ohne in mittlerweile klassisch gewordene, verfestigte identitätspolitsche Positionen zu geraten.
Paula-Irene Villa Braslavsky lehrt Allgemeine Soziologie und Gender Studies am Institut für Soziologie der Universität in München. Sie forscht und veröffentlicht zu Fragen der Körperwahrnehmung und Subjektkonstruktion. Zuletzt erhielt sie den Helge-Pross-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Familien- und Geschlechterforschung.



© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 21.1.2024

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert