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Essay: „Unser Stadtbild soll schöner werden!“ Plädoyer für einen ästhetischen Republikanismus

Von Arnd Pollmann (DLF). Wie gestalten wir unser Zusammenleben? Bei solchen Fragen geht es meist um Gleichheit oder Gerechtigkeit. Warum aber nicht darum, die Gesellschaft schöner zu machen? In Zeiten der Verwahrlosung gilt es, einen ästhetischen Republikanismus zu entdecken.


Müllberge, E-Scooter-Chaos – unsere Städte sind oft geprägt durch Anzeichnen von Verwahrlosung. Die achtlos auf den Bürgersteig geworfene Alufolie mag unbedeutend wirken – doch sie verweist auf ein tieferes Problem: eine Freiheit, die sich im Rückzug aufs bloße Ich erschöpft. Libertär gedacht bedeutet sie vor allem, von anderen unbehelligt zu bleiben.
Diese Haltung prägt das Stadtbild: Überquellende Papierkörbe, verwilderte Grünstreifen, Matratzen auf Bürgersteigen, ein öffentlicher Raum, der als Niemandsland behandelt wird. Politische Philosophie kennt dafür einen Gegenentwurf: den Republikanismus.
Er begreift Freiheit nicht primär als Abwehrrecht, sondern als Fähigkeit zur Mitgestaltung. Hier entsteht Öffentlichkeit nicht durch Verbote, sondern durch das geteilte Interesse am Gemeinsamen. Ein „ästhetischer Republikanismus“ verschiebt den Fokus: Er fragt, ob Straßen, Plätze, Nachbarschaften nicht nur funktional, sondern auch schön sind – als sichtbarer Ausdruck einer geteilten Verantwortung. Schönheit wird so zur politischen Kategorie: Sie fordert Pflege, Takt, Rücksicht, kurzum ein Ethos des Miteinanders.
Statt zwischen privater Willkür und kollektivistischer Bevormundung zu pendeln, eröffnet sich eine dritte Möglichkeit: die gemeinsame Gestaltung des Raums, den wir bewohnen. Die entscheidende Frage lautet dann nicht: Wer hebt den Müll auf? Sondern: Wie wollen wir leben – und wie soll es aussehen?

Arnd Pollmann, geboren 1970, ist Professor für Ethik und Sozialphilosophie an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Menschenrechts- und Würdeforschung, in Fragen politischer Philosophie sowie der Sozialethik. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählt Menschenrechte und Menschenwürde. Zur philosophischen Bedeutung eines revolutionären Projekts (2022).

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 9.11.2025

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